Unternehmensbewertung - 5 Methoden in der Übersicht

29.11.2020

Lesezeit: 8 min

Einführung

Wenn man sich als Firmeninhaber mit dem zunächst nüchtern klingenden Thema Unternehmensbewertung beschäftigt, hat man bereits die wichtigste Hürde in Sachen Unternehmensverkauf und Nachfolgeregelung genommen. Entscheidend dabei ist auch aus emotionaler Sicht, mit angemessenem Vorlauf Abschied von der oftmals als Lebenswerk betrachteten Firma zu nehmen. Damit aus dem Vorhaben kein wildes Glücksspiel mit zwei oder mehr Teilnehmern am Verhandlungstisch wird, stehen verschiedene Methoden der Unternehmensbewertung zur Verfügung. Dass nackte Zahlen allerdings nicht alles sind, wird nachfolgend verdeutlicht.

Dafür geht dieser Artikel auf 5 verschiedene Bewertungsmethoden ein und beantwortet die Frage, ob es eine ideale Methode zur Unternehmensbewertung gibt.

Das Verfahren der Bewertung: ein Tennismatch am Verhandlungstisch

Warum der Vergleich mit einem Tennismatch? Die Antwort lautet, weil ein Match aus mindestens zwei Sätzen mit jeweils mindestens sechs Spielen besteht. Verkäufer und Käufer stehen sich am Netz gegenüber und spielen sich die Bälle in Form einer Unternehmensbewertung zu. Die Methoden können durchaus gewechselt werden, um dem Spiel eine neue Richtung zu geben. Einziger Unterschied zum echten Tennissport: Am Ende des Matches gehen der Unternehmensveräußerer und der potenzielle Käufer im Idealfall als Sieger vom Platz und man stößt gemeinsam auf den Erfolg an.

Die grundsätzlichen Verfahren zur Bewertung im Überblick

In vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sitzen engagierte Macher, die ihre Firma am liebsten innerhalb der Familie dem Nachwuchs übergeben. Das klappt häufiger nicht, was verschiedene Ursachen haben kann. Umso wichtiger wird die Ermittlung eines angemessenen Verkaufspreises durch passende Bewertungsmethoden bei der Unternehmensbewertung. Zur potenziellen Käufergruppe zählen bisherige Führungskräfte, externe Manager und sonstige Investoren etwa aus dem Bereich Private Equity (Beteiligungskapital). Hierfür stehen drei grundsätzliche Bewertungsmethoden für die Unternehmensbewertung zur Verfügung:

  • das Ertragswertverfahren
  • das Substanzwertverfahren
  • das Marktwertverfahren

Es handelt sich um Bewertungsmethoden für Unternehmen mit richtungsweisendem Charakter. Selbstverständlich gibt es zusätzliche Alternativen wie die beiden nachfolgenden:

  • Unternehmensbewertung auf Basis des Mittelwertverfahrens
  • Unternehmensbewertung nach DCF (Discounted Cash-Flow)

Zudem kann es beim Berechnen während der Unternehmensbewertung von Bedeutung sein, ob man der Firma als Inhaber in einer Übergangsperiode etwa durch eine Minderheitsbeteiligung weiterhin mit seinem Know-how zur Verfügung steht.

1. Das Ertragswertverfahren: ein gängiger Klassiker

Als bisheriger Unternehmer bezieht man seine Argumente beim Ertragswertverfahren aus der Vergangenheit, während der potenzielle Käufer den Blick in Richtung Zukunft werfen will und muss. Im übertragenen Sinn ist der Uhrenabgleich in einer möglichst frühen Phase der Verhandlungen von entscheidender Bedeutung für den Erfolg.

Auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland zählt das Ertragswertverfahren zu den klassischen Methoden. Es werden die Betriebsergebnisse der letzten drei bis fünf Jahre herangezogen, um aus den Zahlen eine durchschnittliche Unternehmensbewertung zu berechnen. Letztlich handelt es sich um ein bereinigtes Betriebsergebnis vor Abzug der Steuern und Zinsen (EBIT = Earnings before Interest and Taxes).

Selbstverständlich werden bei diesem Bewertungsverfahren weitere Kennzahlen mit einbezogen. Alle ermittelten Werte helfen dabei, Prognosen für die Zukunft abzugeben. Aus Käufersicht muss die Verzinsung des eingesetzten Kapitals, also des Kaufpreises, eine gewisse Höhe erreichen, um rentabel zu sein. Üblicherweise wird ein Bemessungszeitraum von 3 Jahren angesetzt. Im Gegenzug legt der bisherige Inhaber Wert auf ein vertretbares Finanzpolster, um seine Freizeit zu genießen oder ein neues Vorhaben zu realisieren.

2. Das Substanzwertverfahren: alles in die Waagschale werfen

Bei diesem Verfahren der Unternehmensbewertung kann man sich fast bildlich vorstellen, wie zwei Verhandlungspartner am Tisch sitzen, auf dem eine traditionelle Balkenwaage in der Mitte steht. Der Unternehmer unterstreicht die Verkaufsabsichten, indem er alle materiellen Güter in die Schale auf seiner Seite legt. Dazu zählen etwa der Fuhrpark, Maschinen, Grundstücke, Gebäude, das Warenlager und fertige Waren, die für den Betriebsablauf notwendig sind. Bevor der Verhandlungspartner auf der anderen Seite vereinfacht ausgedrückt Gegenwerte in Form von Kapital in die Schale legt, werden Rückstellungen und Verbindlichkeiten abgezogen. Optimalerweise entsteht ein Gleichgewicht, was jedoch selten der Fall ist. Es ist zu erwarten, dass die Balkenwaage in die eine oder andere Richtung ausschlägt.

Das Problem bei dieser Art der Wertermittlung liegt darin, dass lediglich ein gegenwartsbezogener Kaufpreis ermittelt wird, ohne mögliche Entwicklungen in der Zukunft mit einzubeziehen. Sei es durch in Aussicht stehende Umstrukturierungen, Innovationen oder gesellschaftliche Ereignisse, die einen Umsatzschub versprechen und somit eine zu erwartende Wertsteigerung darstellen.

3. Das Mittelwertverfahren: Substanz trifft auf Ertrag

Um bei der Regelung der Nachfolge bzw. beim Verkauf für beide Seiten gute Anhaltspunkte zu schaffen, sollte das Mittelwertverfahren als Unternehmensbewertungsverfahren im Überblick mit einbezogen werden.

Die Gewichtung zwischen dem für die Zukunft prognostizierten Ertrag und der berechneten Substanz hängt maßgeblich von der Art des Unternehmens ab. Während etwa bei einem Immobilienunternehmen viel Substanz vorhanden ist, liegt der Schwerpunkt bei einer beratend tätigen Firma eher beim Ertrag. Hier könnte die Gewichtung beispielhaft bei 30 % (Substanz) und 70 % (Ertrag) liegen.

Sind beide Werte im Zuge der Unternehmensbewertung ermittelt, werden sie rein mathematisch aufgearbeitet, wie die nachfolgende Formel in Anlehnung an das oben genannte Beispiel zeigt:

Unternehmenswert = (Substanz x 0,3) + (Ertrag x 0,7)

Wie sich in der Praxis gezeigt hat, wird die Aussagekraft dieser Methode der Unternehmensbewertung unterschiedlich betrachtet, was zu Differenzen zwischen den Verhandlungspartnern führen kann.

4. Das Marktwertverfahren: Kräftemessen mit Multiplikatoren

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Firmeninhaber oft mit der Konkurrenz auf dem Markt vergleichen. Sei es aus „sportlichen Gründen“ oder um dem eigenen Unternehmen einen Schub zu verleihen. Genau diese Vorgehensweise kommt beim Marktwertverfahren für die Unternehmensbewertung zum Tragen. Die Basis bilden der Ertragswert mit den ermittelten EBIT-Werten der letzten zwei Jahre, des aktuellen Jahres und die zu erwartenden Ergebnisse in den folgenden zwei Geschäftsjahren. Ab diesem Moment kommen die Multiplikatoren (Multiples) ins Spiel. Dabei handelt es sich um Daten vergleichbarer Unternehmen in der Branche, etwa in Form öffentlich verfügbarer Gewinn- und Verlustrechnungen oder des erzielten Verkaufspreises.

Auf dieser Basis wird eine Bezugsgröße zum Unternehmen geschaffen, das verkauft werden soll – sie fließt als Multiplikator in die Formel ein, um den Unternehmenswert zu berechnen. Dieser kann steigen oder sinken, was vom eigenen Standing auf dem Markt abhängt. Eine gute Orientierung bieten branchenspezifische Multiples-Tabellen, die frei verfügbar sind.

Um ein relevantes Ergebnis zu erhalten, ist die Suche nach vergleichbaren Unternehmen als Multiplikatoren von großer Bedeutung. Etwas überspitzt ausgedrückt, ist es wenig sinnvoll, eine Brauerei mit einem Flaschenhersteller zu vergleichen, auch wenn gewisse Berührungspunkte vorhanden sind.

5. Das DCF-Verfahren: die Zukunft im Visier

DCF steht als Abkürzung für Discounted Cash-Flow und ist Bestandteil eines Unternehmensbewertungsverfahrens, das im Trend liegt. Neben dem Ertragswertverfahren entsprechend dem Standard des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) ist auch das DCF-Verfahren international anerkannt.

Es ist stark zukunftsorientiert, weshalb man als Unternehmer bei der Suche nach einem Nachfolger davon ausgehen kann, dass das Hauptaugenmerk des Käufers tatsächlich darin liegt, die Firma weiterzuführen.

Als eine von mehreren Möglichkeiten für die Ermittlung des Kaufpreises im Rahmen des DCF-Verfahrens dient der Free-Cash-Flow-Ansatz (FCF). Dabei handelt es sich um die nach einem Geschäftsjahr frei zur Verfügung stehenden Geldmittel nach Abzug aller Betriebskosten, Steuern, Investitionen und Tilgungsraten vorhandener Kredite.

Anhand des Wertes wird die zukünftige Entwicklung prognostiziert. Dies gelingt relativ gut für bis zu drei Jahre, wird aber ungenauer, je weiter der Vorausblick geht. Für den Käufer wird es schwieriger, den für ihn wichtigen Kapitalisierungszinssatz für seine Investition zu berechnen. Dies liegt vor allem an Unwägbarkeiten des Marktes und möglichen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, die nicht vorhersehbar sind.

Subjektive Bewertungskriterien: weg von den reinen Zahlen

Bezieht man die Unternehmerpersönlichkeit in das Verfahren der Unternehmensbewertung mit ein, ergibt sich folgendes Bild: Ist ihr Einfluss hoch, wirkt sich das bei einem direkten Ausscheiden aus der Firma unter Umständen negativ auf den Kaufpreis aus. Ist er dagegen geringer, da die wesentlichen Aufgaben durch Führungspersonal abgewickelt werden, kann sich dies positiv auf den Kaufpreis auswirken.

Zu den weiteren Faktoren in diesem Zusammenhang zählen etwa das Produktportfolio oder die Dienstleistungen, die Kundenstruktur und die Reputation innerhalb der eigenen Branche im Vergleich zum Wettbewerb.

Fazit: Gibt es das ideale Verfahren für die Bewertung?

Wenn man bei der Unternehmensbewertung die Methoden in einer Übersicht gegenüberstellt, gibt es nicht das perfekte Verfahren, das wie ein Maßanzug zu Ihrem kleinen oder mittelständischen Unternehmen passt. Zudem können sich die berechneten Unternehmenswerte je nach Verfahren deutlich voneinander unterscheiden. Es bedarf zumeist einiger Verhandlungsrunden – wie auch beim Tennismatch, das über mehrere Sätze ausgespielt wird.

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