Der Beteiligungsmarkt in Deutschland: Chancen clever nutzen

06.01.2021

Lesezeit: 8 min

Philipp Köppe

M&A Senior Analyst

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koeppe@nachfolge.de

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Einführung

Ab einem gewissen Alter gewinnt der Wunsch nach der Regelung der Nachfolge im eigenen Unternehmen immer mehr an Bedeutung. Mittel- bis langfristig geplant, bietet der Beteiligungsmarkt in Deutschland zahlreiche Optionen, das Vorhaben erfolgreich in die Realität umzusetzen. Dies trifft vor allem zu, wenn bei einem Familienunternehmen kein Nachfolger aus den eigenen Reihen zur Verfügung steht. Das notwendige Beteiligungskapital wird durch national und international agierende Finanzinvestoren bereitgestellt.

Wie der deutsche Beteiligungsmarkt per Definition funktioniert und welche Punkte von großer Bedeutung für Unternehmer sind, wird anhand der nachfolgenden Struktur erläutert:

  • Der Beteiligungsmarkt in Deutschland: ein kurzer Rückblick
  • Aktuelle Trends auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland
  • Investoren: die zentralen Akteure auf dem Marktplatz
  • Gängige Optionen auf dem Beteiligungsmarkt für Unternehmer
  • Partnersuche mit Fokus auf Branchen und Regionen
  • Fazit: langfristig agieren und Chancen clever nutzen
Der Beteiligungsmarkt in Deutschland: ein kurzer Rückblick

Unternehmer müssen sich im Klaren sein, dass der Beteiligungsmarkt wie die gesamte Wirtschaft Schwankungen unterliegt, die einerseits durch politische und gesellschaftliche Ereignisse und andererseits durch die europäische Zinspolitik geprägt sind.

Vergleicht man die Zahlen von 2010 mit denen von 2019, so hat sich das gesamte Investitionsvolumen von knapp 5 Mrd. € auf 14,4 Mrd. € nahezu verdreifacht. Die vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) erhobenen Angaben zeigen, dass reichlich Kapital vorhanden ist, um eine Betriebsübergabe über den Beteiligungsmarkt in Deutschland zu forcieren. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass das bis Ende 2018 vorherrschende Stimmungshoch inzwischen einer gewissen Skepsis gewichen ist, weshalb die Akteure etwas vorsichtiger auf dem Markt agieren.

Aktuelle Trends auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland

Beschäftigt man sich als Inhaber eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens (KMU) aktuell mit einer Unternehmensveräußerung, wird das Thema Corona unweigerlich zur Sprache kommen. Welche Rolle die Pandemie in näherer und ferner Zukunft spielen wird, bleibt offen. Bemerkbar macht sie sich auf jeden Fall beim Investitionsvolumen im 1. Halbjahr 2020, das mit ca. 5,7 Mrd. € um mehr als 1 Mrd. € unter dem Niveau des 1. Halbjahrs 2019 liegt.

Daraus lässt sich schließen, dass eine Unternehmensveräußerung auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland einer längeren Vorlaufphase bedarf, um auch in besonderen Ausnahmesituationen handlungsfähig zu bleiben – aus finanzieller und mentaler Sicht.

Investoren: die zentralen Akteure auf dem Marktplatz

Im Jahr 2005 wurde der Begriff „Heuschrecken“ durch den Politiker Franz Müntefering geprägt. Er warf einigen Finanzinvestoren vor, Firmen ohne Rücksicht auf Unternehmer und Arbeitnehmer wie Heuschrecken abzugrasen und dann innerhalb kürzester Zeit mit maximalem Gewinn weiterzuverkaufen.

Gerade bei Inhabern und Gesellschaftern kleiner und mittelständischer Unternehmen ist dieser Vergleich negativ in Erinnerung geblieben. Nachvollziehbar, da es sich zumeist um ein über mehrere Jahrzehnte aufgebautes Lebenswerk handelt, das veräußert werden soll. Trotz der zum Teil berechtigten Skepsis sollte man als Unternehmer den Fokus auf die Chancen auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland richten, ohne die durchaus vorhandenen Risiken aus dem Blick zu verlieren.

Im Wesentlichen wird zwischen Venture-Capital-Geldgebern (VC) und Private-Equity-Investoren (PE) unterschieden. Venture Capital wird vorwiegend in Start-ups investiert und darf als Wette auf eine möglichst erfolgreiche Zukunft betrachtet werden. Es handelt sich um sogenanntes Wagniskapital. Private Equity bedeutet auf Deutsch übersetzt dagegen so viel wie Beteiligungskapital, das außerbörslich zur Verfügung gestellt wird. Und genau dieser Bereich ist für Unternehmer besonders interessant, wenn der Fortbestand der Firma eine zentrale Rolle spielt.

Natürlich steht auch bei den aufgelegten Private-Equity-Fonds früher oder später ein Weiterverkauf des Unternehmens auf dem Plan. Institutionelle Anleger wie Banken, Versicherungen, Pensionskassen ebenso wie Privatinvestoren verfolgen dabei das Ziel einer möglichst hohen Rendite. Ein wichtiger Aspekt vor allem in Niedrigzinsphasen, in denen die Anlagemöglichkeiten eher beschränkt sind.

Interessant für Firmeninhaber ist, dass potenzielle Investoren in der Phase zwischen Kauf und Wiederverkauf durch Beratung und Betreuung aktiv in den Unternehmensprozess eingreifen, um letztlich einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Der dafür vorgesehene Zeitraum liegt durchschnittlich zwischen 3 und 7 Jahren. Nach einer richtigen Auswahl befindet sich das vormals eigene Unternehmen in guten Händen. Die Steigerung des Unternehmenswerts bis zum Wiederverkauf ist ein strategisch essenzieller Bestandteil der Vorgehensweise. Sie wird als Exit-Strategie bezeichnet.

Gängige Optionen auf dem Beteiligungsmarkt für Unternehmer

Laut einer Statistik der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) waren Stand 2020 über 220.000 Inhaber mittelständischer Unternehmen auf der Suche nach einem Nachfolger. Bei vielen liegt der Prozess des Generationenwechsels noch in der näheren Zukunft.

Um die Nachfolge bei einem Unternehmensverkauf auf möglichst solide Beine zu stellen, stehen Firmeninhabern auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland verschiedene Optionen zur Verfügung. Die wichtigsten werden nachfolgend näher erläutert:

Besonders interessant dürfte die Variante der Private-Equity-Minderheitsbeteiligung für Unternehmer sein, die nicht sofort ausscheiden wollen. Verständlich, da die komplette Übergabe mit einem unmittelbaren Kontrollverlust verbunden wäre. In dem Fall erfolgt die Betriebsübernahme schrittweise, wobei verschiedene Zielsetzungen zum Tragen kommen können:

  • die Lösung bestehender Gesellschafterkonflikte während der Übergangsphase durch externes Know-how
  • die Zuführung frischen Kapitals durch Investoren, um Modernisierungs- oder Umstrukturierungsmaßnahmen für eine Steigerung des Verkaufswerts durchzuführen
  • ein Teilerlös geht in das Privatvermögen des Unternehmers über, um den Lebensabend, eine längst geplante Weltreise mit dem Wohnmobil oder ein neues Vorhaben zu finanzieren

Konflikte zwischen Gesellschaftern kommen beispielsweise häufig in mittelständischen Familienunternehmen vor, in denen sich die verschiedenen Familienzweige uneins hinsichtlich der Führung und Ausrichtung der Firma sind. Ein externer Private-Equity-Partner vom Beteiligungsmarkt kann dabei helfen, mit zugeschossenem Kapital einen Familienzweig auszuzahlen, um den Fortbestand des Unternehmens abzusichern.

Weitaus typischer ist eine sogenannte Mehrheitsbeteiligung durch Private-Equity-Investoren mit einem Anteil von zumindest 50,1 %. Um das Know-how vor allem auf der Managementebene zu erhalten, wird die Nachfolge gerne mit einem sogenannten Management-Buy-out (MBO) verknüpft, bei dem bisherige Führungskräfte des Unternehmens Anteile übernehmen. Die vorläufige Finanzierung erfolgt über die Investoren.

Das ist eine interessante Lösung für Unternehmer und Firmeninhaber, die der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Führungspersonal aus menschlicher und qualitativer Sicht einen hohen Stellenwert beigemessen haben. Man ist über viele Jahre hinweg gemeinsam „durch dick und dünn“ gegangen.

Eine weitere Option auf dem Beteiligungsmarkt ist die Suche nach einem strategischen Investor. Das kann ein Konkurrenzunternehmen oder der bisherige Hauptabnehmer in einem Zuliefererbetrieb sein, um zwei typische Beispiele zu nennen. Es wird häufig darüber berichtet, dass höhere Kaufpreise erzielt werden. Allerdings handelt es sich um kein in Stein gemeißeltes Gesetz, denn in einem wettbewerbsintensiven Umfeld wird immer mit harten Bandagen gekämpft.

Partnersuche mit Fokus auf Branchen und Regionen

Vorteil und Herausforderung zugleich ist bei der Planung der Nachfolge im eigenen Unternehmen, dass Investoren gezielt Branchen auswählen und sich auf bestimmte Regionen bzw. Bundesländer auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland konzentrieren. Hier führt Bayern mit Abstand, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Im Umkehrschluss bedeutet die gezielte Vorgehensweise, dass bei den Investment-Gesellschaften umfangreiches Know-how vorhanden ist, um bei der teilweisen oder kompletten Betriebsübernahme erfolgreich zu agieren.

Was die Unternehmensgröße und den Umsatz anbetrifft, gibt es keine festen Grenzen im mittelständischen Bereich. Es ergibt sich ein falsches Bild in der Öffentlichkeit, da sich die Berichterstattung in den Medien vor allem auf Big Deals konzentriert.

Tatsache ist, dass durch Private Equity finanzierte Unternehmen zu ungefähr 75 % weniger als 100 Mitarbeiter beschäftigen. Ebenso groß ist der Anteil bei Umsätzen von weniger als 10 Millionen € pro Jahr.

Kurz gesagt: Während bei zwischenmenschlichen Beziehungen der Zufall durchaus eine Rolle spielt, ist die Partnersuche auf dem Beteiligungsmarkt in Deutschland eher akribischer Natur und mit einer gewissen Vorlaufzeit verbunden.

Fazit: langfristig agieren und Chancen clever nutzen

Auch wenn es anfänglich aus psychologischer Sicht schwerfallen mag: Beschäftigen Sie sich als verantwortungsbewusster Unternehmer rechtzeitig mit der Planung der Nachfolge. Besteht keine Möglichkeit der familieninternen Übergabe, weil der Nachwuchs etwa einem anderen Lebensplan folgt, bieten sich gute Chancen auf dem Beteiligungsmarkt, der in Deutschland eine beachtenswerte Dynamik aufweist.

Hinter den Beteiligungsgesellschaften stehen zumeist Investoren aus dem Banken- und Versicherungssektor sowie Pensionskassen und zum Teil auch vermögende Privatinvestoren. Sie alle verfolgen das gleiche Ziel wie Sie: den Erhalt des Unternehmens, das Sie unter Umständen über Jahrzehnte hinweg mit viel Herzblut aufgebaut haben. Hinzu kommt, den Wert durch Modernisierung und Optimierung der bisherigen Strukturen zu steigern, da in der Regel eine Exit-Strategie verfolgt wird, an deren Ende ein Weiterverkauf ansteht. Zu den Käufern können externe Manager sowie bisher in Ihrem Unternehmen beschäftigte Führungskräfte zählen. Ebenso steht ein finaler Börsengang im Raum. Welche Lösung zum Tragen kommt, hängt maßgeblich von der Vertragsgestaltung ab. Ebenso steht eine bestehen bleibende Beteiligung Ihrerseits im Raum.

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