11.03.2022
Lesezeit: 7 min

Digitalisierung - Ihr Einfluss und ihre Chancen für den Mittelstand

Der aktuelle Digitalisierungsindex der deutschen Telekom beweist, was viele bereits vermutet haben: Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung im Mittelstand enormen Schub verliehen. Das gilt ganz besonders für den Bereich des mobilen Arbeitens.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wirkten als Beschleuniger, indem viele Betriebe sich plötzlich auf digitale Lösungen wie beispielsweise Homeoffice umstellen mussten.

Digitalisierung ist zwar schon seit Jahrzehnten ein Thema, doch vielen kleinen und mittelständischen Unternehmern ist erst durch die Krise wirklich bewusst geworden, wie sehr auch die Arbeitswelt durch die Digitalisierung beeinflusst und verändert wird. Es wurde offensichtlich, dass Abwarten vor diesem Hintergrund keine gute Strategie ist.

Denn, wer sich den digitalen Herausforderungen jetzt nicht stellt, dem entstehen bei einer Unternehmensnachfolge entscheidende Nachteile gegenüber fortgeschritten digitalisierten Geschäftsmodellen.

Lesen Sie mehr über die Bedeutung und die Wichtigkeit von Digitalisierung während des Nachfolgeprozesses in unserem Artikel - Welche Vorteile die Digitalisierung für Ihren Unternehmensverkauf bietet.

In folgenden Artikel zeigen wir, auf welche Unternehmensbereiche sich die Digitalisierung auswirkt und welche Vorteile sie allgemein für Ihre Firma mit sich bringt.

Moderne Arbeitswelt durch Digitalisierung

Die Digitalisierung geht viel tiefer, als Mitarbeitende mit einem Laptop und einem Zoom-Account auszurüsten. Sie hat die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, grundlegend revolutioniert. Die moderne Arbeitswelt unter der Bezeichnung „Arbeiten 4.0“ bedeutet ein Arbeitsumfeld mit flachen Hierarchien, wo Mitarbeitende in wechselnden Teams an Projekten arbeiten. Die neuen agilen Arbeitsmethoden stellen bei der Entwicklung von Produkte den Kunden in den Mittelpunkt.

Das erfordert eine flexible Herangehensweise, die schnell auf Veränderungen der dynamischen Entwicklungen reagieren kann. Für Mitarbeitende ist das herausfordernd, weil sie plötzlich eigenverantwortlich und innovativ auf sich verändernde Prozesse reagieren müssen. Hier zählen Know-how und persönliche Kompetenzen. Ein Arbeitsmodell, in dem ein Mitarbeiter seine Arbeit unverändert 40 Jahre lang leistet, gibt es schlichtweg kaum noch. Die Herausforderung für Führungskräfte besteht darin, dass sie weniger führen und mehr coachen müssen.

Erwartungen der „New Generation“

Eindeutige Vorteile der neuen digitalen Geschäftsmodelle lassen sich nicht von der Hand weisen. Sie fordern jedoch auch neue Ausrichtungen von Unternehmen.

  • Kunden erwarten Online-Angebote und Kontaktmöglichkeiten über Social Media und andere digitale Kanäle.
  • Junge Fachkräfte wollen nicht mehr in starren Strukturen arbeiten.
  • Im „War for Talents“ können mittelständische Unternehmen nur mithalten, wenn sie moderne Arbeitswelten bieten.

Auch auf Kostenseite lohnt sich Digitalisierung langfristig. Im Digitalisierungsindex 2020/2021 der deutschen Telekom gaben 73 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie dank Datenanalyse ihre Umsätze gesteigert haben. 74 Prozent konnten ihre Kosten senken, 70 Prozent verbesserten ihre Geschäftsprozesse.

Trotz der unbestrittenen Vorteile der Digitalisierung sind im Mittelstand viele traditionelle Geschäftsmodelle vertreten, für die die Digitalisierung enorme Weiterentwicklungsmöglichkeiten bietet. Für digitale Lösungen fehlt es jedoch gerade bei kleineren Unternehmen betriebsintern an:

  • Know-how
  • Budget
  • mangelnde Infrastruktur
  • Klarheit über Fragen zum Datenschutz

Das größte Hindernis ist jedoch das Mindset der Unternehmer. Gerade die ältere Generation hat oft Mühe, ihre Skepsis vor neuen unbekannten Prozessabläufen und neuen Technologien zu überwinden.

Doch die Corona-Pandemie hat uns gelehrt, dass digitale Maßnahmen schnell umgesetzt werden können, wenn es sein muss.

Die Zukunft für den Mittelstand

Der Digitalisierungsindex hat diese Entwicklung eindrücklich nachgezeichnet. Besonders zu beobachten anhand der Zunahme von remoten Arbeitsmodellen:

Vor der Pandemie boten lediglich 19 Prozent der befragten Betriebe ihren Mitarbeitenden Homeoffice an, 55 Prozent mussten dieses Angebot kurzfristig während der Krise einführen.

Weiterhin sahen 46 Prozent der Unternehmen sich gezwungen, ihre Geschäftsmodelle, Produkte und Services kurzfristig anzupassen, um auch während der Corona Krise nicht gänzlich schließen zu müssen.

Von den „digitalen Vorreitern“, die dies bereits zuvor realisierten, kamen 80 Prozent gut durch die Krise, weil ihr Geschäftsmodell und ihre Prozesse bereits weitgehend digitalisiert waren.

Doch nicht nur die Krise spricht für die Notwendigkeit der Digitalisierung. Kunden erwarten heute aufgrund ihrer Erfahrungen mit digitalen Vorreitern grundsätzlich moderne digitale Services wie:

  • Apps
  • 24/7-Verfügbarkeit über Chatbots
  • Kundenorientierte Prozesse
  • Maßgeschneiderte Dienstleistungen

Digitale Automatisierung erlaubt darüber hinaus effizientere und günstigere Prozesse, Datenanalysen decken Schwächen in der Wertschöpfungskette auf und identifizieren lukrative neue Geschäftsfelder.

All das sind wichtige Erfolgsfaktoren in der modernen globalisierten Welt. Realisiert werden können sie durch Digitalisierung.

Bedeutung für die Unternehmensnachfolge

Corona hat den Mittelstand digital gemacht. Es zeigt sich, dass eine durchdachte Digitalisierung auch für die Unternehmensnachfolge unerlässlich ist.

Bei einer halben Million mittelständischen Unternehmen steht die Übergabe an die jüngere Generation an.

Unabhängig von der Frage, ob die Nachfolge innerhalb oder außerhalb der Familie oder Firma stattfinden soll, entfalten Unternehmen mit veralteten traditionellen Geschäftsmodellen nicht ihr Digitalisierungspotenzial. Das kann zum Nachteil auf der Suche nach einem Nachfolger werden. Ein möglicher Investor entscheidet sich eher für ein Unternehmen, dass zukunftsweisend handelt und digitalisierte Prozesse umsetzt, als eines, das die selben Prozessabläufe seit Jahren nicht an die dynamische Umwelt angepasst hat. Das hat unter anderem den Grund, dass es für den künftigen Nachfolger mit mehr Kosten und Aufwand verbunden wäre, dieses Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Mit Hilfe einer Digital Due Diligence können Sie analysieren, wie der aktuelle Stand Ihres Unternehmens im Hinblick auf die Digitalisierung ist.

Die Digitalisierung ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Der Effekt verstärkt sich besonders bei Familienunternehmen: Laut einer Studie von PwC wollen 88 Prozent der Nachfolger nicht bloß das Unternehmen wie gehabt weiterführen, sondern seine Zukunft nach ihren Vorstellungen gestalten. Die Entscheider von morgen wollen neue Geschäftsstrategien und Märkte ausprobieren.

Doch weniger als die Hälfte glaubt, dass die gegenwärtige Digitalstrategie das Geschäftsmodell optimal unterstützt. Viele empfinden es dabei als schwierig, die Elterngeneration von neuen Ideen zu überzeugen.

Chancen für mittelständische Unternehmen

Eine erfolgreiche Digitalisierung steht und fällt also mit dem Mindset. Sie ist dabei nicht nur eine Herausforderung für kleine Unternehmen, sondern auch eine Chance.

Die Chance, auf einem bewährten Produkt aufzubauen und bestehende Ressourcen innovativ weiterzuentwickeln. Es lohnt sich hier, auf die jüngere Generation zu hören. Das bedingt natürlich ein neues Verhältnis zur Belegschaft und eine neue Führungskultur. So gelingt der Anstoß für einen Umbau in eine digitale Zukunft.

Ein Beispiel für die erfolgreiche digitale Weiterentwicklung eines alteingesessenen Geschäftsmodells ist das Handelsunternehmen Engelhorn, welches traditionelles Schusterhandwerk mit Informationstechnologie in Form von dreidimensionalen Fuß-Scans verbindet. Hier wie auch in anderen Bereichen des Familienunternehmens in vierter Generation zeigt sich, wie Digitalisierung das bestehende Geschäftsmodell erweitern und neue Absatzmärkte erschließen kann.

„Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.“

Dieses Zitat des griechischen Philosophen Heraklit hat auch heute noch Gültigkeit. Was neu ist, ist das atemberaubende Tempo, in dem sich die Welt um uns herum verändert.

Die Corona-Krise hat vielen zögernden Mittelständlern unmissverständlich klargemacht, dass die Digitalisierung sich nicht mehr weiter aufschieben lässt.

Fazit: Es ist höchste Zeit

Die Digitalisierung ist im deutschen Mittelstand angekommen – und das ist gut so. Denn digitale Anwendungen können Bewährtes weiterentwickeln und Traditionsunternehmen die Zukunft sichern. Sie sorgen für Effizienz, geringere Kosten und eröffnen neue Geschäftsfelder. Bisher waren größere Unternehmen Vorreiter dieser Entwicklung, doch kleine Unternehmen holen auf. Wer seinem Unternehmen langfristig das Überleben sichern will, tut also gut daran, es fit für die digitale Zukunft zu machen. Denn das wird von Kunden und potenziellen Mitarbeitenden heute erwartet. Eine Digitalisierung ist nicht zuletzt auch entscheidend für eine erfolgreiche Übergabe an die nächste Generation.

Es braucht die Überzeugung des Unternehmers, diese Herausforderung angehen zu wollen, sowie das Verständnis, dass eine erfolgreiche Transformation nicht nur Investitionen und (zugekauftes) Know-how braucht, sondern eine neue Arbeits- und Führungskultur. Digitalisierung sollte dabei aber kein Selbstzweck, sondern Teil einer umfassenden Strategie sein.

Wenn Sie sich Gedanken über die Zukunft Ihres Unternehmens machen oder eine Unternehmensnachfolge ins Auge fassen, lassen Sie sich beraten. Nutzen Sie das Know-how von CARL vom Unternehmensverkauf bis hin zur Finanzierung der digitalen Transformation Ihres Unternehmens. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch und führen Sie eine erste unverbindliche indikative Unternehmensbewertung durch.


Benjamin Goerwitz

Benjamin Goerwitz

Bereichsleiter M&A