Familienunternehmen: Interne oder externe Nachfolge bevorzugen?

12.11.2020

Lesezeit: 8 min

Einführung

In Familienunternehmen wird meist die Nachfolge innerhalb der Familie bevorzugt. Viele Seniorunternehmer wünschen sich, dass das eigene Lebenswerk durch den Sohn oder die Tochter fortgeführt wird und das Unternehmen in Familienbesitz bleibt. Emotional ist dies verständlich, doch ist es auch betriebswirtschaftlich sinnvoll? Die Antwort auf diese Frage umfasst diverse Facetten.

Vielfach wird bei einer Stabübergabe innerhalb der Familie unterstellt, dass der Nachfolger aufgrund der familiären Bande stärker mit dem Unternehmen verbunden ist als dies bei einer externen Nachfolge der Fall wäre. Man geht automatisch von einem größeren Interesse am Erhalt des Unternehmens und an der Sicherung für kommende Generationen aus. Das kann so sein, muss es aber nicht. Häufig wird übersehen, dass familieninterne Nachfolgelösungen auch Konfliktpotentiale bergen – insbesondere, wenn die Übergabe zwischen “Senior” und “Junior” nicht klar geregelt ist. Schon manches Unternehmen ist an Familienzwistigkeiten gescheitert.

Es gibt nicht die eine richtige Lösung für die Nachfolgeregelungen in Familienunternehmen. Es gilt immer Pro und Kontra einer internen oder externen Nachfolge im konkreten Einzelfall abzuwägen. Dazu werden im Verlauf dieses Fachartikels diverse Vor- und Nachteile beider Nachfolgeoptionen beleuchtet. Oftmals ist es auch möglich durch die Wahl einer bestimmten Mischform, die Vorteile beider Optionen, die einem selber am wichtigsten sind, zu vereinen. Mehr zu den Mischformen am Ende des Beitrags.

Nachfolgeoptionen

Grundsätzlich kommt eine interne Nachfolge nur in Betracht, wenn tatsächlich ein Nachfolger zur Verfügung steht. Dass ein Sohn oder eine Tochter vorhanden ist, reicht alleine nicht. Es muss die Bereitschaft bestehen, das Unternehmen weiter zu führen. Außerdem muss der Nachfolger auch persönlich und fachlich in der Lage sein, diese Aufgabe zu übernehmen. Beides ist keine Selbstverständlichkeit. Häufig werden in der nächsten Generation andere Lebenspläne verfolgt, auf die Ausbildung und erste berufliche Tätigkeiten ausgerichtet werden. Es gelingt nur den wenigsten, ohne innere Bereitschaft und entsprechende Qualifikation als Unternehmenslenker erfolgreich zu sein. Und reine Familienzugehörigkeit ist kein Ausweis für unternehmerische Befähigung, wenn Know-how und Expertise fehlen.

Als interne Lösung ist auch ein Management Buy-Out (MBO) denkbar. Dabei wird das Unternehmen vom bisherigen Management übernommen. Das kann entweder ein Mitglied der Geschäftsführung oder eine andere vertraute Führungskraft sein. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Übernahme durch eigene Mitarbeiter, auch Employee Buy-Out genannt.

Manch Seniorunternehmer, der sein Lebenswerk erhalten möchte, ist gut beraten, die externe Nachfolge als Lösung der Nachfolgeproblematik zu wählen. Es ist auf diesem Weg in vielen Fällen einfacher möglich, einen Nachfolger zu finden, der die notwendigen Eigenschaften mitbringt, um das Unternehmen fortzuführen und voranzubringen. Die externe Nachfolge wird oft über einen Firmenverkauf realisiert. Das kommt den Interessen vieler potentieller Nachfolger entgegen, die das Unternehmen nicht nur als Geschäftsführer leiten und gestalten, sondern auch Eigentümer sein wollen. Für den Altinhaber und seine Familie bedeutet der Firmenverkauf, das Familienunternehmen endgültig und vollständig oder aber auch nur zum Teil aus den Händen zu geben.

Weitere Informationen zu sogenannten Zwischenlösungen, bei denen der Inhaber sein Unternehmen nicht vollständig aufgeben muss, finden Sie weiter unten.

Der Unternehmensverkauf als externe Nachfolgeoption

In vielen Fällen ist der Unternehmensverkauf die beste Option für den Inhaber. Vor allem, wenn kein geeigneter Nachfolge zur Verfügung steht, weil die eigenen Kinder studieren und einen eigenen Job, unabhängig vom Familienunternehmen, antreten möchten. Fakt ist: Immer häufiger fehlt firmenintern ein Nachfolgekandidat.

Da sich aber so manch Unternehmer nach einem Neuanfang sehnt, sei es eine neue unternehmerische oder beratende Tätigkeit oder auch der wohlverdiente Ruhestand für mehr Zeit mit der Familie und für private Projekte, bietet die externe Nachfolge eine gute Alternative zur familieninternen Lösung.

Doch auch für das Unternehmen kann eine Übergabe oft einen positiven Anstoß bedeuten. Ein strategischer Investor bringt viel Know-how und ermöglicht wertvolle Synergien. Ein Finanzinvestor hingegen schafft Strukturen sowie Zugang zu Kapital.

Käufergruppen

Man unterscheidet zwischen drei Käufergruppen von kleinen und mittelständischen Unternehmen: Private Investoren, Strategische Investoren und Finanzinvestoren. Sie alle verfolgen unterschiedliche Absichten.

  1. Private Investoren
  2. Strategische Investoren
  3. Finanzinvestoren

Private Investoren verfolgen die Absicht sich mit dem Firmenkauf selbstständig zu machen. Sie planen, das Geschäft langfristig zuführen, da es die primäre Ertragsquelle für sie darstellt. Aus diesem Grund haben ebenso der Arbeitsplatzerhalt der Mitarbeiter und die gesellschaftliche Verantwortung des Betriebs eine große Bedeutung für sie. Private Investoren können externe Managementteams, sogenannte Management Buy-Ins (MBI), natürliche Personen und Erst- oder Mehrfachunternehmer sein.

Als strategischer Investor wird ein Investor bezeichnet, für welchen beim Unternehmenskauf nicht finanzielle Interessen, sondern geschäftspolitische Überlegungen im Vordergrund stehen. Mögliche Motive solcher Investoren können die Realisierung von Synergieeffekten, die Erschließung neuer Märkte, die Stärkung der Marktposition oder der Zugang zu Innovationen sein. Geschäftspartner (beispielsweise Kunden und Lieferanten), Wettbewerber, angrenzende Branchen oder Firmen, die diversifizieren möchten, sind typische Beispiele für strategische Investoren.

Im Gegensatz zu privaten oder strategischen Investoren besteht das vordergründige Interesse von Finanzinvestoren normalerweise nicht in der langfristigen Entwicklung der Unternehmens. Im Fokus steht eher die bestmögliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals sowie die rechtzeitige Entwicklung einer Ausstiegsstrategie. Finanzinvestoren sind beispielsweise Private Equity-Gesellschaften (PEG), Venture Capital-Unternehmen, Family Offices, Industrie-Holdings und Vermögensverwaltungen.

Vor- und Nachteile interner und externer Nachfolge

Obgleich viele Inhaber von Familienunternehmen die Variante “externe Nachfolge” gerne vernachlässigen, bieten beide Optionen Vor- und Nachteile.

Vorteile einer internen Nachfolge

  • Das eigene Lebenswerk bleibt in der Familie bzw. in vertrauten Händen
  • Das Abschiednehmen fällt leichter durch schrittweises Zurücktreten des alten Geschäftsinhabers
  • Kontinuität für das Unternehmen wird garantiert
  • Vertrauen von Mitarbeitern und Kunden wird erhalten

Nachteile einer internen Nachfolge

  • Innerhalb der Familie bestehen häufig Konfliktpotentiale
  • Steuerliche Beratung zum Zweck einer möglichst steuerschonenden Regelung oft notwendig
  • Betriebsblindheit statt neuer und innovativer Perspektiven und Einflüsse von außen

Vorteile einer externen Nachfolge

  • Durch gleichmäßige Aufteilung des Veräußerungserlöses auf die Kinder können Konflikte im Erbfall vermieden werden
  • Neuer Geschäftsinhaber bringt innovative Ideen sowie Know-how ins Unternehmen
  • Neues Kapital wird bereitgestellt, um vor allem in wirtschaftlichen Krisensituationen einen Fortbestand des Betriebs zu garantieren

Nachteile einer externen Nachfolge

  • Mitarbeiter und Geschäftspartner können Vertrauen verlieren
  • Kunden- und Lieferantenbeziehungen werden gefährdet
  • Kongruenz von Übergabe- und Übernahmeinteressen nicht immer gegeben
  • Künftig keinen Einfluss mehr auf die strategische Ausrichtung und Entwicklung des Unternehmens
Zwischenlösungen

Trotzdem muss der Ausweg aus der Nachfolgeproblematik nicht zwangsläufig ein Abwägen zwischen interner oder externer Nachfolge sein. Es gibt auch Zwischenlösungen.

Eine besteht darin, bei der Nachfolge stärker zwischen “Eigentum” und “Besitz” zu trennen. Die Unternehmensanteile können im Eigentum der Familie bleiben, während die Führung des operativen Geschäftes einem Nachfolger überlassen wird. Das bedeutet, der Eigentümer bzw. interne Geschäftsführer behält meist die Entscheidungshoheit und hat somit starken Einfluss auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Währenddessen übernimmt der externe Geschäftsleiter häufig Bereiche wie Finanzen und Controlling.

Wichtig ist: Fremdmanagement kann nur gut funktionieren, wenn der Eigentümer dem neuen Geschäftsleiter Vertrauen entgegenbringt und es schafft gewissermaßen loszulassen. Die genaue Form dieses Zusammenspiels kann viele Formen annehmen. Gemischte oder Fremdgeschäftsführung oder Verpachtung.

Formen der Geschäftsführung

Gemischte Geschäftsführung

Bei Wachsen des Unternehmens, wachsen auch die Anforderungen an den Geschäftsführer und Eigentümer. Um die Geschäftsleitung um bestimmter zusätzliche Fachkompetenzen zu erweitern, wird dann häufig ein externer Manager eingestellt. Somit liegt eine gemischte Geschäftsführung aus internen und externen Geschäftsführern vor.

Fremdgeschäftsführung

Ein Unternehmen kann aber auch ausschließlich von externen Personen geführt werden. Ist innerhalb der Eigentümer kein passender Unternehmenslenker vorhanden, kann dieser Fall eintreten. Eigentum und die Verantwortlichkeit der Führung sind somit klar voneinander getrennt und das Unternehmen wird ausschließlich fremdgeführt.

Verpachtung

Eine Unternehmensverpachtung kann in verschiedenen Fällen sinnvoll sein. Zum einen, falls das Unternehmen nicht im Rahmen einer Veräußerung komplett verkauft werden soll, zum andern, wenn sich der Eigentümer auch zukünftig in das Unternehmen einbringen möchte. In einem Pachtvertrag kann geregelt werde, welche Wirtschaftsgüter bei der Geschäftsübernahme erhalten bleiben. Außerdem werden Maßnahmen für den Fall eines unvorhergesehenen Ausfall des Pächters geplant.

Vorteile solcher Zwischenformen

Ziel dieser Formen ist es, Eigentümer des Unternehmers zu bleiben aber Verantwortlichkeiten abzugeben und so mehr Freiheiten genießen zu können. Vielmals besteht auch der Wille beispielsweise in der Produktentwicklung mitzuwirken oder den Vertrieb weiter zu verantworten, aber klassische Geschäftsführertätigkeiten und Personalverantwortung abzugeben.

Es gibt aber auch andere Motive für die Einstellung von Fremdmanagern. Von großem Vorteil ist beispielsweise die Kompetenz, die diese mit ins Unternehmen bringen. Das erlaubt dem Unternehmen seine fachliche Expertise auszubauen, sich stärker zu professionalisieren und schneller zu wachsen. Des Weiteren kann es von Vorteil sein, dass der externe Manager neue und familienfremde Perspektiven eröffnet.

In der Regel ist davon auszugehen, dass sich Manager aus der Familie und externe Manager gut ergänzen und das Unternehmen insgesamt von dem kombinierten Fachwissen und den Fähigkeiten beider Geschäftsführer profitieren kann. Gleichzeitig kann es auch schnell zu Konflikten zwischen internem und externem Geschäftsführer kommen, weswegen es wichtig ist, sich auf Augenhöhe zu begegnen und nicht die eigene Sonderstellung als Familienmitglied zu betonen. Beide sollten außerdem großen Wert auf offene Kommunikation, die Bereitschaft zur Lösung von Konflikten und vor allem Vertrauen legen.

Lesen Sie mehr zum Thema Unternehmensnachfolge in unserer Rubrik “Nachfolge”.

Am Ende zählt die rechtzeitige und sorgfältige Vorbereitung

In vielen Situation ist es einfach sich für oder gegen eine interne Nachfolge zu entscheiden, da die Faktenlage ganz eindeutig ist. Häufig ist aber ein genaues Abwägen notwendig.

Allerdings gibt es in diesem Zusammenhang weder richtige noch falsche Lösungen. Wichtig ist nur, dass egal, für welche Option Sie sich entscheiden, Sie genug Zeit für den Nachfolgeprozess einplanen. Die Übergabe ihres Betriebs oder der Verkauf ihres Unternehmens sollten gut durchdacht und vorbereitet sein. Dabei macht die Begleitung des Nachfolgeprozesses durch eine unabhängige Beratung mit einem “objektiven und neutralen Blick” Sinn. Besonders im Fall einer Veräußerung kann die Zusammenarbeit mit professionellen M&A-Beratern hilfreich und empfehlenswert sein.

Sie interessieren sich für die Regelung Ihrer Nachfolge? Egal ob intern oder extern, wir unterstützen Sie gerne bei der Suche nach dem passenden Nachfolger. Zögern Sie nicht und kontaktieren Sie unsere erfahrener Transaktions- und Nachfolgeberater noch heute.

Die Nachfolge von morgen - Kein Altherrenthema?

Eine Studie zur Unternehmensnachfolge im Mittelstand

Jeder Unternehmer und jede Unternehmerin steht irgendwann einmal vor der Frage: Wie, wann und an wen übergebe ich mein Unternehmen? Dabei gibt es verschiedene Optionen, die von der Vererbung oder Übergabe an Kinder über den Verkauf bis hin zur Stilllegung des Unternehmens reichen. Gemeinsam mit der WHU hat Carl eine Studie zum Thema durchgeführt, bei der einige überraschende Erkenntnisse gewonnen wurden. Lesen Sie die gesamte Studie, um spannende Einblicke zu erhalten.

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