Wie wird die Nachfolge im Mittelstand durch Corona beeinflusst?

28.01.2021

Lesezeit: 8 min

Einführung

Seit langem stellt der demografische Wandel in Deutschland Unternehmer vor große Herausforderungen und erschwert den Generationswechsel in Unternehmen. Noch immer finden viele, die ihren Betrieb übergeben möchten, keinen geeigneten Nachfolger. Das liegt unter anderem daran, dass 95 Prozent der Kinder das Unternehmen ihrer Eltern nicht übernehmen möchten. Insgesamt haben ganze 43 Prozent der deutschen Familienunternehmen momentan noch keine Nachfolgeregelung.

Durch die Corona-Pandemie hat sich diese Situation in Unternehmen noch einmal drastisch verschärft. Aber was sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft in Deutschland? Nicht nur lässt der Drang nach Selbstständigkeit nach, was die interne Nachfolge im Mittelstand zusätzlich um ein vielfaches erschwert. Auch für Unternehmer stellen sich diverse Fragen: Beispielsweise, ob es ratsam ist, sein Unternehmen aktuell zu übergeben bzw. zu verkaufen.

Um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, haben wir für diesen Artikel die neuesten Studien zum Thema Corona-Krise und deren Einfluss auf die aktuelle wirtschaftliche Situation sowie auf die Nachfolge analysiert und dabei auch die Meinung unserer erfahrenen Nachfolgeberater mit einfließen lassen.

Im Folgenden erfahren Sie, wie sich die Wirtschaft in Folge der Corona-Krise derzeit entwickelt - insbesondere welche Branchen stark betroffen sind und welche besonders profitieren - und welchen Einfluss diese Entwicklungen auf das Nachfolgeproblem im Mittelstand haben.

Einfluss von COVID-19 auf die Gesamtwirtschaft

Die Lage der Betriebe in der zweite Welle der Pandemie wird besonders in einer Umfrage des DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) aus dem November 2020 deutlich. Dabei handelt es sich bereits um die 5. Blitzumfrage, welche der DIHK seit Beginn der Corona-Krise regelmäßig durchführt. Mehr als 13.000 Unternehmen aus allen Branchen wurden im Rahmen der Studie bezüglich der Auswirkungen von COVID-19 auf ihre wirtschaftliche Situation befragt.

Viele Entwicklungen sind vermutlich bekannt, da in den Medien zu genüge davon berichtet wird oder man als Unternehmer die Auswirkungen im schlimmsten Fall selber zu spüren bekommt. Dennoch fassen wir hier die gravierendsten Veränderungen zusammen, welche aus der DIHK-Blitzumfrage hervorgehen.

Zu den häufigsten Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die geschäftlichen Tätigkeiten deutscher Unternehmen zählen vor allem eine geringere Nachfrage (51 Prozent), die Stornierung von Aufträgen durch Kunden (29 Prozent) sowie ausfallende Mitarbeiter (24 Prozent). Dies führt zudem oftmals zu einem teilweisen oder sogar kompletten Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit (26 Prozent).

Dementsprechend erwarten 69 Prozent der Unternehmen für das Gesamtjahr 2020 einen Umsatzrückgang, wobei 17 Prozent davon sogar mit einem Minus von mehr als 50 Prozent rechnen. Aufgrund des Lockdowns sind hierbei insbesondere Branchen wie das Gastgewerbe (93 Prozent), die Reisewirtschaft (94 Prozent) oder die Kultur- und Kreativwirtschaft (90 Prozent) betroffen. Aber auch der KfZ-Handel (73 Prozent) und die Industrie (69 Prozent) müssen aufgrund des Nachfragerückgangs, stornierten Aufträgen oder logistischen Lieferengpässen mit Umsatzeinbußen rechnen.

Um ihre Existenz zu sichern reagieren viele Unternehmen mit dem Verschieben oder gar Streichen von Investitionen (49 Prozent), der Einsparung von Kosten (40 Prozent) sowie dem Abbau von Stellen (24 Prozent).

Es sind allerdings nicht nur negative Maßnahmen und Trends zu beobachten. Aus der Umfrage des DIHK geht hervor, dass Unternehmen teilweise auch originell auf die Krise reagieren, wodurch die Zahl an Innovationen und neuen, kreativen Lösungen steigt. Beispielsweise treiben Unternehmen die Digitalisierung zunehmend voran (36 Prozent), verbessern ihre Online-Präsenz (32 Prozent) oder stellen ihr Geschäftsmodell komplett um (22 Prozent).

Diese Beobachtung bestätigt: Corona beschleunigt bereits bestehende Trends enorm. Vor allem Unternehmen, die bereits vor der Krise zukunftsfähig aufgestellt waren, profitieren davon. Das liegt auch daran, dass Finanzinvestoren (insb. Private-Equity-Gesellschaften) ein zunehmend hohes Interesse an Unternehmen in zukunfts- und krisensicheren Branchen zeigen. Zu den Gewinnern der Corona-Krise zählen beispielsweise Unternehmen auf folgenden Branchen: dem Onlinehandel (E-Commerce), dem Technologiesektor, der Medizinbranche sowie der Lebensmittelbranche.

Neben diesen sowohl positiven als auch negativen Entwicklungen, die derzeit in den Unternehmen und der deutschen Wirtschaft beobachtet werden können, hat die Krise aber ebenso deutliche Auswirkungen auf das Nachfolgeproblem im Mittelstand.

Einfluss von COVID-19 auf die Nachfolgesituation im Mittelstand

Die Auswirkungen von COVID-19 werden im KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2020 deutlich. Die dafür erhobenen Daten bieten eine repräsentative Datenbasis der aktuellen Lage in kleinen und mittelständischen Unternehmen und der Gründungssituation in Deutschland. Sie basieren auf dem KfW-Mittelstandspanel und dem KfW-Gründungsmonitor.

Nicht nur wirtschaftlich sind viele KMUs von der Corona-Krise stark betroffen, auch viele Nachfolgepläne werden durch den Lockdown beeinflusst. Seit der Krise befindet sich die Zukunftsplanung vieler Unternehmer in der Schwebe. Laut KfW wissen die Hälfte der Unternehmer nicht, wann sie ihr Unternehmen an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin abgeben möchten und ob sie dies aktuell überhaupt in Betracht ziehen. Vor allem ältere Unternehmer halten aber an der geplanten Übergabe fest. Das liegt vermutlich daran, dass sie ihren Rückzug aus dem Unternehmen schon lange geplant hatten und dieser kurz bevor stünde.

Im Allgemeinen lässt sich aber trotz all dem sagen, dass der Mittelstand relativ gut vorbereitet in die Krise gegangen ist und in vielen Teilen an aktuell laufenden Nachfolgevorhaben festgehalten wird. Laut KfW sind fast die Hälfte aller 260.000 für die kommenden zwei Jahre geplanten Nachfolgen bereits vereinbart und die Verhandlungen abgeschlossen, ein Drittel hat zudem bereits mit den Verhandlungen begonnen.

Bei diesen Ergebnissen handelt es sich allerdings um eine positive Momentaufnahme aus der ersten Hälfte des Jahres 2020. Hierbei ist zu beachten, dass die Krise durch staatliche Hilfen abgefedert werden konnte und dank Impfstoffen voraussichtlich bald vorübergehen wird. Denn sollte dies nicht der Fall sein, könnten mittelfristige Zukunftspläne zur Nachfolge zu lange aufgeschoben werden und auch weit fortgeschrittene Verhandlungen scheitern.

Eine Entwicklung, die bereits jetzt beobachtet werden kann, ist das erhöhte Risiko von Stilllegungen in Folge des Lockdowns im Frühjahr sowie des aktuellen zweiten Lockdowns.

Zudem bleibt ein Hauptproblem der Unternehmensnachfolge bestehen und wird durch die Corona-Krise zusätzlich verstärkt: Die demografische Alterung der bestehenden Unternehmerschaft und das rückläufige Interesse an der Selbständigkeit führen zu einem Mangel an potenziellen Nachfolgern.

Aber warum ist letzteres so, wenn doch beispielsweise die Zahl an Startups kontinuierlich steigt? Der KfW-Gründungsmonitor gibt Aufschluss: Übernahmegründer werden im Gegensatz zu Startup-Gründern mit einem überdurchschnittlichen Finanzierungsbedarf konfrontiert. Weitere Hürden stellen die finanziellen Risiken und die mögliche Belastung der Familie durch die Selbständigkeit dar.

Eine Lösung dieses Problems bietet zum Beispiel die Gründung im Team, weil dadurch diese Lasten auf mehreren Schultern verteilt würden. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob man immer einen geeigneten Partner findet.

Die beschriebenen Entwicklungen bestätigt auch eine Studie aus der zweiten Jahreshälfte 2020. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Report des DIHK, allerdings zum Thema Unternehmensnachfolge.

Der DIHK-Report Unternehmensnachfolge vom Oktober 2020 verdeutlicht die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Generationenwechsel in mittelständischen Unternehmen. Beispielsweise verschieben viele Unternehmer ihre Pläne bezüglich der Übergabe ihres Betriebes, wodurch die Zahl der Beratungen sinkt. Denn in solchen unsicheren Zeiten steht natürlich immer erstmal die Sicherung der eigenen Existenz im Vordergrund.

Im Rahmen des Reports wurden die 79 IHK-Regionen in Deutschland befragt und gebeten ihre Einschätzung der Situation im Hinblick auf ihre Region wiederzugeben.

Diese 79 IHKs ziehen bereits seit 2007 jedes Jahr eine Bilanz. Aus ihren Beobachtungen geht dabei hervor, dass die Suche nach Nachfolgern bereits in der Vergangenheit zunehmend schwieriger geworden ist. Die Zahl der Unternehmer, die eine Beratung der IHK in Anspruch nehmen steigt jährlich an. 2019 ließen sich fast doppelt so viele Unternehmen beraten wie noch 10 Jahre zuvor. Währenddessen halbierte sich über den gleichen Zeitraum allerdings die Zahl potenzieller Interessenten.

Diese inversen Entwicklungen führen zu einer strukturell anwachsenden Herausforderung im Bereich Unternehmensnachfolgen, welche durch die Corona-Krise nur zusätzlich verschärft werden.

Insbesondere gilt das für eben jene Branchen, die ohnehin schon stark unter der Krise leiden. Besonders betroffen sind dabei die Nachfolgen im Handel und im Gastgewerbe. Im Jahr 2019 beispielsweise stammte fast die Hälfte der Übergaben aus diesen beiden Branchen.

Jede Herausforderung lässt sich bewältigen

Obwohl Unternehmer vor großen Herausforderungen bei der Unternehmensnachfolge stehen, ist eine Übergabe des eigenen Unternehmens selbst unter den aktuellen Umständen alles andere als unmöglich. Denn natürlich bieten sich diverse Möglichkeiten sein Unternehmen in die richtigen Hände abzugeben. Neben internen Nachfolgern und externen, privaten Nachfolgekandidaten, gibt es auch andere Käufergruppen. Das sind beispielsweise Unternehmen, die aktiv auf der Suche nach Zukäufen aus strategischen Gründen wie innovativen Vermögenswerten oder digitalem Know-how sind. Außer strategischen Investoren kommen zudem Finanzinvestoren in Frage, deren Taschen aktuell gut gefüllt sind und die dementsprechend nach Investitionsmöglichkeiten suchen. Mehr zu den Motivationen der einzelnen Investorentypen finden Sie hier.

Man sollte als Unternehmer also die derzeitige Situation als zu bewältigende Herausforderung und nicht als unlösbares Problem ansehen. Dabei ist es ratsam vor allem in dieser unsicheren Zeit einen erfahrenen Berater hinzuziehen, wenn man darüber nachdenkt, sein Unternehmen zu verkaufen. Dieser ist mit der aktuellen Situation durch andere Nachfolge- und Transaktionsprozesse vertraut und kann Ihnen zudem auch mit branchenspezifischen Know-how zur Seite stehen.

Da ein Unternehmensverkauf und der damit verbundene M&A-Prozess ca. 6-12 Monate dauert, empfiehlt es sich, frühzeitig mit Beratern in Kontakt zu treten und den Prozess ggf. auch bereits anzustoßen. Während des Prozesses wird dann geprüft, ob das Unternehmen am Markt platziert wird oder ob man sich gemeinsam dazu entscheidet, die Käuferansprache vorerst zu pausieren.

Sollten Sie sich für den Verkauf Ihres Unternehmens trotz oder gerade aufgrund der besonderen Gegebenheiten entscheiden, haben Sie mit Carl einen zuverlässigen Partner an Ihrer Seite, der Sie professionell berät und Sie auf Ihrem Weg von der Suche nach passenden Käufern bis hin zur Transaktion begleitet. Kontaktieren Sie uns bei Interesse gerne oder lassen Sie bereits im Vorfeld eine kostenlose und unverbindliche Unternehmensbewertung vornehmen - denn jeder Verkauf beginnt mit einer Ermittlung des Unternehmenswertes.

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