Unternehmensverkäufe in Zeiten der Corona-Krise

13.11.2020

Lesezeit: 6 min

Felix Engelhardt

Bereichsleiter Nachfolge- und Transaktionsberatung

030 4036307 10

felix.engelhardt@nachfolge.de

Mehr Zum Autor
Einführung

Ein Beitrag von Felix Engelhardt, CFA, vom 13. März 2020

Die Coronavirus-Pandemie beeinträchtigt nicht nur die Wirtschaft in China, sondern wird global für viele Wirtschaftsbereiche verheerende Folgen haben. Dadurch kommen auch bei Inhabern von kleinen und mittelgroßen Unternehmen immer mehr Fragen auf: Wieso hat das Coronavirus so einen großen Einfluss auf die aktuelle Marktsituation? Wann erholen sich die Märkte? Macht es Sinn, sich jetzt mit einem Unternehmensverkauf zu beschäftigen?

Mit unserem Team beraten wir aktuell in über 20 Verkaufsmandaten, die in verschiedenen Branchen tätig sind und grundsätzlich spürt fast jedes dieser Unternehmen die Auswirkungen des Coronavirus. Aus diesem Grund möchten wir unsere Expertise nutzen und zu den 8 wichtigsten Fragen Stellung beziehen.

  1. Warum hat das Coronavirus Auswirkungen auf die Märkte?
  2. Wird es in Folge dessen eine Rezession geben?
  3. Warum reagieren die Aktienmärkte so stark?
  4. Sollte man alle Aktien abstoßen?
  5. Wie wird es wirtschaftlich weitergehen?
  6. Macht ein Unternehmensverkauf aktuell Sinn?
  7. Kann ich jetzt mit dem Verkaufsprozess starten?
  8. Wie lange wird das Coronavirus die Märkte noch beeinflussen?
Warum hat das Coronavirus Auswirkungen auf die Märkte?

Die Märkte sind aktuell in Panik: Weltweit stürzen Aktienkurse und das Wirtschaftsklima trübt sich massiv ein. Das aktuelle Erliegen der wirtschaftlichen Aktivität ist stark durch die Angst und die schnelle Verbreitung des Virus zu erklären. Die Verbraucher meiden nicht notwendigen Konsum jeglicher Art.

Gleichzeitig gibt es Komplikationen durch weltweite Werksschließungen und Schwierigkeiten bei der Organisation der global vernetzten Logistik durch Reisesperren und Vorsichtsmaßnahmen. Diese Schwierigkeiten führen natürlich dazu, dass insbesondere Unternehmen im Transport- und Logistikwesen, im Hotel- und Gastgewerbe sowie in der Freizeit- und Unterhaltungsbranche stark mit den Einbußen zu kämpfen haben.

Wird es in Folge dessen eine Rezession geben?

Die wirtschaftliche Situation direkt vor dem Ausbruch der Krise war weitestgehend positiv. Mit Ausnahme des Automobilsektors hatten sämtliche Sektoren in Deutschland positive Aussichten für die kommenden Jahre. Auch geldpolitisch war durch die weiterhin angespannte, wirtschaftliche Situation in anderen EU Ländern das Kapital günstig, ohne, dass die Inflation hierzulande gravierende Einflüsse zeigte. Davon profitierte die Wirtschaft insbesondere in Deutschland in den letzten Jahren.

Weiterhin handelt es sich hierbei nicht, wie beispielsweise während der großen Rezession von 1929, um einen grundlegenden Vertrauensverlust in die Wirtschaft, sondern nur um Sekundäreffekte durch die Vorsichtsmaßnahmen rund um das Virus. Welche langfristigen Effekte diese haben, lässt sich nicht im Detail voraussagen. Wir gehen aktuell eher davon aus, dass die deutsche Wirtschaft aufgrund der robusten Grundstruktur nicht in eine schwere Rezession rutschen wird.

Warum reagieren die Aktienmärkte so stark?

Mit der großen Befürchtung, dass die globale Wirtschaft einbrechen könnte, ziehen sich derzeit sehr viele Anleger aus den Kapitalmärkten zurück. Diese Rezessionsangst wird jedoch nicht nur von der medialen Berichterstattung geschürt, sondern auch von institutionellen Investoren, die der Meinung sind, dass das Coronavirus uns in die lang erwartete, nächste Rezession stürzt.

Bewertungstechnisch stellt sich die Frage, ob die Kursstürze an der Börse durch eilige Abverkäufe oder durch erwartete strukturell niedrigere Wirtschaftsaktivität verursacht werden. Letzteres ist allerdings unwahrscheinlich. Betrachtet man die Auswirkungen verschiedener Krisen und Epidemien auf die weltweite Kapitalmarktentwicklung, so kann man immer eine Beruhigung und einen Aufschwung nach der Krise beobachten. Langfristig gesehen werden sich die Aktienmärkte also wieder beruhigen.

Sollte man alle Aktien abstoßen?

Wir glauben, dass die fundamentale, wirtschaftliche Situation in Deutschland sehr stabil ist und sich die Kapitalmärkte langfristig wieder erholen werden. Maßnahmen der EZB sind geplant oder kommen bereits auf den Weg, wodurch sich die Wirtschaft und damit auch die Aktienmärkte voraussichtlich erholen werden – so, wie sie es in den vergangenen Jahrzehnten immer getan haben. Der Vermögensaufbau durch Aktien ist besonders in Zeiten hoher Kursschwankungen nur mit einem langfristigen Anlagehorizont sichergestellt. Und der erfordert manchmal starke Nerven. Dementsprechend sollte man derzeit nicht alle Aktien abstoßen, sondern geduldig sein.

unternehmensverkauf corona krise
Wie wird es wirtschaftlich weitergehen?

Die FED* und die EZB** haben bereits erste Maßnahmen ergriffen und versuchen den Finanzsektor zu stützen sowie die Wirtschaft zu stärken. Auch die Bundesregierung wird weitere Hilfestellung leisten und Richtlinien zur Entschärfung der Situation herausgeben. Wir glauben, dass die Maßnahmen dieses Mal (anders als in der Finanzkrise 2008) schneller und direkter beschlossen werden, weshalb wir eher nicht von weiteren Einbrüchen oder gar einem kompletten, globalen Börsencrash ausgehen. Insbesondere im Bankenbereich haben die Regulierungsbehörden in den letzten Jahren viele stabilisierende Maßnahmen ergriffen, welche die Institutionen besser auf Krisen vorbereiten.


*FED = Abkürzung für Federal Reserve System oder auch für Federal Reserve, das US-Amerikanische Zentralbanksystem.

**EZB = Abkürzung für die Europäische Zentralbank, die Zentralbank der 19 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die den Euro eingeführt haben. Ihre vorrangige Aufgabe ist es, Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten und so die Kaufkraft der gemeinsamen Währung zu erhalten.

Macht ein Unternehmensverkauf aktuell Sinn?

Unternehmer, deren Betriebe in zyklischen Sektoren zu verorten sind und die sich mit ihrem Unternehmen bereits in einem Verkaufsprozess befinden, sollten ihre Transaktionsberater kontaktieren. In einem Gespräch kann dann entschieden werden, ob es sich lohnt mit der Ansprache der Kaufinteressenten zu warten, bis sich die Unsicherheit in den Märkten legt.

Unternehmer, die bereits mit Interessenten in Kontakt stehen, sollten sich deren Feedback einholen und schauen, ob man dennoch zusammenkommt. Das Coronavirus ist ein Sondereffekt und kann theoretisch ignoriert werden, um die aktuelle Situation des Unternehmens zu bewerten. Das setzt allerdings voraus, dass es im Anschluss an die Corona-Pandemie keine gesamtwirtschaftlich negativen Effekte geben wird.

Kann man jetzt mit dem Verkaufsprozess starten?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, jetzt mit dem Verkaufsprozess zu starten. In gemeinsamen Gesprächen mit ihren Transaktionsberatern können Sie eruieren, wann es Sinn macht Kaufinteressenten anzusprechen und zu involvieren. Da allein die konkrete Vorbereitungsphase bei einem Unternehmensverkauf häufig 3 bis 4 Monate in Anspruch nimmt, ergibt es ungeachtet der aktuellen Situation Sinn, sich mit dem Thema der Nachfolge zu beschäftigen. Grundsätzlich ist es wichtig, diese frühzeitig anzugehen.

Unternehmer, welche über einen Zukauf nachdenken, sollten sich genau überlegen, inwiefern das Zielunternehmen durch die Krise positiv oder negativ betroffen ist. Jedoch bietet jede Krise auch Chancen. So können sich spannende Zukaufmöglichkeiten durch veränderte Rahmenbedingungen ergeben.

Wie lange wird das Coronavirus die Märkte noch beeinflussen?

Wir glauben, dass uns das Coronavirus leider noch eine Weile begleiten wird. Wenn die Regierungen harte Maßnahmen ergreifen, gelingt es womöglich in wenigen Wochen die Lage zu beruhigen. Wie sich die weitere Verbreitung in Folge dessen über die nächsten Monate gestaltet, ist eine Einschätzung, die wir Experten überlassen. In Anbetracht der prognostizierten Effekte gehen wir aktuell davon aus, dass wir auch im Jahr 2021 noch von den Folgen des Coronavirus beeinflusst werden. Allerdings hoffen wir, dass dieser Einfluss ab 2021 abnehmen und in den Transaktionen nicht mehr sonderlich merklich sein wird.

Unser Fazit zu Unternehmensverkäufen in Zeiten des Coronavirus

Verkaufsprozesse von Unternehmen könnten nun zwar etwas länger dauern als üblich und die Vorbereitungen durch ihren Transaktionsberater könnten ebenfalls etwas aufwändiger sein. Am Ende sitzen aber viele potentielle Käufer auch durch kürzlich aufgesetzte Fonds und die vereinnahmten Gewinne der letzten zehn Jahre auf viel Geld und durch die Unsicherheit verringern sich die Möglichkeiten für Investitionen. Aus unserer Sicht kann man die aktuelle Situation und die Zeit also sogar nutzen, um sich bei weniger Wettbewerb erfolgreich am Markt zu platzieren.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Fragen und stehen dafür gerne auch persönlich mit unserem Team zur Verfügung. Nehmen Sie daher gerne Kontakt mit uns auf. Wir arbeiten, nicht zuletzt im Sinne unserer Klienten, nun aus dem Home Office und sind weiterhin auch mobil mit dem Auto unterwegs.

"Unabhängig davon, wie sich die Situation weiterentwickeln wird: Wir stehen unseren Klienten gerade jetzt besonders zur Seite. Ich freue mich in diesen Zeiten umso mehr ein Berater zu sein, denn jetzt werden wir wirklich gebraucht."

-Felix Engelhardt

Nachfolge- und Transaktionsberater bei Carl

Carl - Die Plattform für Unternehmensverkäufe

Wir sichern Lebenswerke.

Carl unterstützt Eigentümer mittelständischer Unternehmen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmensverkauf. Wir bieten unseren Kunden maßgeschneiderte Optionen sowie den Zugang zu einem einzigartigen Käufernetzwerk an. Unser Versprechen: eine Unternehmensübergabe, bei der die Wünsche des Unternehmers immer im Vordergrund stehen. Hierbei begleiten wir Sie durch den gesamten Prozess, um Ihr unternehmerisches Lebenswerk in eine sichere Zukunft zu führen.

Zur Website