Geschäftsmann oder Unternehmer, der mit ernstem Blick in einem Büro am Schreibtisch sitzt und mit einem Computer arbeitet.

In der aktuellen Corona-Krise ist es für Unternehmer besonders wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Definiert man das Wort Krise allerdings mit “einem Zustand eines Unternehmens, das seine Lebensfähigkeit in Frage stellt”1, dann wird klar, dass es auch in einem kühlen Kopf gerade schnell zu brodeln anfangen kann. Verständlich also, dass sich in einer solchen Situation vielen Unternehmern auch einige Fragen aufdrängen. Zum Beispiel, ob es überhaupt möglich ist, ein Unternehmen in Krisenzeiten zu verkaufen. Oder was eine übertragende Sanierung oder ein Insolvenzplanverfahren ist. Im folgenden Artikel möchten wir vier häufige Fragen beantworten, die aufkommen, wenn man sein Unternehmen bei Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz verkaufen will.

Dem Unternehmen droht trotz Krediten die Zahlungsunfähigkeit. Welche Optionen gibt es nun?

Sollten in einem Unternehmen Restrukturierungsmaßnahmen fehlgeschlagen sein, bleiben bei drohender Zahlungsunfähigkeit vereinfacht gesagt drei Möglichkeiten: Die Insolvenz, der Verkauf oder die Kombination aus beidem.

Die Insolvenz

Wenn die Liquiditätskrise in einem Unternehmen bereits vor Ausbruch des Coronavirus begann und schon weiter fortgeschritten ist, dann kann eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung, sprich eine Insolvenzreife, eingetreten sein. Die Geschäftsführung ist dann verpflichtet, unverzüglich (spätestens nach drei Wochen) einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Die vorinsolvenzliche Phase bringt für den Inhaber eines angeschlagenen Unternehmens jedoch viele Risiken und erhöhte Überwachungspflichten: Denn eine mögliche Insolvenzverschleppung kann haftungsrechtliche Implikationen mit sich bringen und bei Pflichtverletzungen kann der Geschäftsführer sogar mit seinem Privatvermögen haften. 

Der Verkauf

Sie können ihr Unternehmen trotz drohender Zählungsunfähigkeit auch weiterhin verkaufen. Und wenn aufgrund staatlicher Hilfen oder anderweitiger Finanzierungsverhandlungen noch begründete Aussichten auf eine Erholung des Unternehmens bestehen, werden Unternehmer gemäß des neuen „Corona-Insolvenz-Aussetzungsgesetzes″ (abgekürzt: COVInsAG) bis zum 30. September 2020 sogar von der Insolvenzantragspflicht befreit. Diese Regelung greift jedoch nur dann, wenn die Insolvenzreife auch wirklich in Folge der Corona-Krise entstanden ist. 

Die Kombination aus Insolvenz und Verkauf

Es ist allerdings so, dass Unternehmer nur in den seltensten Fällen vor einer Insolvenz noch in den Verkaufsprozess starten können. Grund dafür ist, dass die Schuldenlast dann meist bereits zu hoch ist und folglich der Verkaufspreis extrem niedrig angesetzt wird. Die Insolvenz ist daher in einigen Fällen sogar auch im Sinne des Käufers, da im Rahmen des Verfahrens sowohl die Gläubiger bedient werden und das Unternehmen danach gleichzeitig schuldenfrei ist. Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie sich der Verkauf innerhalb eines Insolvenzverfahrens umsetzen lässt.

Wie läuft der Verkauf im (vorläufigen) Insolvenzverfahren ab?

Auch nach Stellung des Insolvenzantrags kann das Unternehmen weiterhin verkauft werden. Dies wird entweder durch eine sogenannte übertragende Sanierung oder über das Insolvenzplanverfahren realisiert.

Die übertragende Sanierung

Bei der übertragenden Sanierung verkauft der Insolvenzverwalter die Vermögenswerte des Unternehmens an den Käufer, während Verbindlichkeiten und alle Vertragsverhältnisse beim insolventen Unternehmen verbleiben. Eine Ausnahme bilden dabei die Beschäftigten des Unternehmens, die im Sinnes eines sog. Betriebsübergang ebenfalls auf den Käufer übergehen – und auch der Firmenname kann bei diesem Verfahren ohne Haftung übernommen werden. Für den Käufer ist die übertragende Sanierung dadurch charakterisiert, dass es praktisch keine Gewährleistung oder Garantien gibt („gekauft wie besehen“). Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bei der übertragenden Sanierung die Geschäftspläne und Entwicklungsprognosen des Unternehmens eine noch höhere Gewichtung einnehmen, als ohnehin schon.

Das Insolvenzplanverfahren

Bei dem Insolvenzplanverfahren bleibt im Unterschied zur übertragenden Sanierung der insolvente Rechtsträger auch weiterhin noch Unternehmensträger. Art und Umfang der Entschuldung des Unternehmens werden zunächst durch den Insolvenzverwalter und den Unternehmer vorgeschlagen. Darauf folgt die Abstimmung der Gläubiger und bei Zustimmung wird die Entschuldung im namensgebenden Insolvenzplan festgelegt. Bei diesem Verfahren müssen die Gläubiger allerdings oft auf Teile ihrer Forderungen verzichten und der Verkauf ist insgesamt komplexer, teurer und langwieriger. Ein Vorteil kann aber das Fortbestehen von günstigen Vertragsverhältnissen sowie Genehmigungen sein.

Obwohl die übertragende Sanierung auf den ersten Blick als die flexiblere Option erscheint, haben beide Varianten ihre Vor- und Nachteile. Es bedarf demnach einer genauen Abwägung im Einzelfall.

Finden sich überhaupt Interessenten, die ein Unternehmen trotz Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz kaufen wollen?

Die Antwort ist ganz klar: Ja! Denn selbst wenn die Krise am Unternehmen nicht spurlos vorüberziehen wird, kann es für einen Käufer dennoch von Interesse sein. Außerdem können die Ausweitung und Erleichterung der Inanspruchnahme von Finanzierungsangeboten der Banken das Budget und somit das allgemeine Kaufinteresse erhöhen. Darüber hinaus greifen bei geschwächten Unternehmen durch gesetzliche Lockerungen nun häufig die oben angesprochenen, insolvenzrechtliche Normen, welche den Kaufprozess zusätzlich vereinfachen können.

Wie läuft so ein Verkaufsprozess ab? Muss man irgendetwas beachten?

Im Prinzip verlaufen Unternehmensverkäufe von Unternehmen, denen die Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz droht, für den Verkäufer genauso ab, wie der normale Verkaufsprozess. Allerdings gibt es durchaus einige Punkte, die man nun beachten sollte. Hier die vier wichtige Aspekte, die man beachten sollte.

Die Zeit

Wie immer sollte man auch bei Unternehmensverkäufen von Unternehmen in Schieflage auf ein gutes Zeitmanagement achten. Denn falls der Insolvenzantrag bereits gestellt wurde, muss der Unternehmensverkauf zumeist innerhalb von 3 Monaten abgeschlossen sein. In diesem Zeitraum übernimmt die Arbeitsagentur die Löhne & Gehälter (sog. Insolvenzausfallgeld) und ermöglicht so einen geordneten Prozess.. 

Die Ansprache

Bei der Ansprache potentieller Käufer sollte man auch in Krisenzeiten mehrgleisig fahren, allerdings sollte die Ansprache auch nicht zu divers erfolgen. Ein gesunder Mittelwert ist bei der Anzahl vernünftig. Gleichzeitig darf man in dieser angespannten Situation bei der Ansprache auch gern über den Tellerrand hinausschauen und potentielle Käufer ansprechen, die aufgrund der besonderen Lage in den Interessentenkreis eingetreten sind.

Die Geschäftsplanung

Trotz Aufhebung der Insolvenzantragspflicht müssen sich Käufer auf den Zeitpunkt einstellen, ab dem die Insolvenzantragspflicht wieder gelten wird. Konkret heißt das, dass die Liquidität des gekauften Unternehmens spätestens drei Wochen vor dem (Rück-) Inkrafttreten der Antragspflicht wiederhergestellt sein muss. Außerdem müssen darüber hinaus die Käufer im Rahmen der Überschuldungsprüfung auch Fortführungsprognosen für einen zweijährigen Prognosezeitraum machen. All das bedeutet, dass man die Interessenten mehr denn je mit einer realistischen Geschäftsplanung überzeugen muss.

Der Verkaufserlös

Da Unternehmen in einer Krise und besonders bei drohender Zahlungsunfähigkeit regelmäßig auch überschuldet sind, führt ein Unternehmensverkauf vor dem Insolvenzantrag oft zu geringeren Kaufpreisen. Bei einem Verkauf durch den Insolvenzverwalter im Rahmen des Insolvenzverfahrens kommt es außerdem dazu, dass der komplette Verkaufserlös für die Befriedigung der Gläubiger verwendet wird. Der Unternehmer erhält somit bei Verkauf im Insolvenzverfahren selten einen signifikanten Gewinn.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass Unternehmensverkäufe auch während der aktuellen Corona-Krise nicht an Bedeutung verlieren werden, sondern im Gegenteil für viele Unternehmen und Unternehmer eine alternative, gute Lösung aus der Krise bedeutet. Das einzige, dass dabei jedoch unabdingbar ist, ist die professionelle Beratung und Begleitung des Verkaufsprozesses. 

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