Locked Box: Ein Locked Box Deal ist in seiner einfachsten Form ein Festpreisdeal. Der am Abschlussdatum der Transaktion (Closing) zu zahlendem Kaufpreis wird zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Transaktionsvereinbarungen (Signature Date) vereinbart und festgelegt. Zwischen dem Unterschriftsdatum und dem Abschluss finden keine Preisanpassungen statt.

Beim Verkauf eines Unternehmens ist es nicht unüblich, dass zwischen dem Unterzeichnen des Kaufvertrages und der tatsächlichen Übergabe des Betriebs mehrere Wochen oder Monate liegen können. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, einigen sich der Verkäufer und der Käufer auf einen Preis, den beide Parteien zu diesem Augenblick für angemessen erachten. In der Zwischenperiode bis zur tatsächlichen Übergabe des Unternehmens können sich jedoch oftmals wesentliche Sachverhalte im Zielunternehmen verändern. Aus diesem Grund haben sich in der Praxis Mechanismen entwickelt, die es ermöglichen, den vertraglich vereinbarten Kaufpreis nachträglich nochmals abzuändern. Typischerweise wird hierbei ein vorläufiger Basiskaufpreis vereinbart, der am Tag der tatsächlichen Übergabe des Unternehmens, je nach vorherrschender Lage, jeweils nach oben oder unten angepasst werden kann. Diese Kaufpreisanpassungsmechanismen sind zwar in der Theorie sehr sinnvoll, geben jedoch in der Praxis Anlass zu langwierigen Verhandlungen und erfordern Expertenrat, da sonst gravierende Nachteile für den Verkäufer entstehen können.

Der Locked Box Mechanismus

Angesichts der Schwierigkeiten einer nachträglichen Kaufpreisanpassung in der Praxis, ist es oftmals zu empfehlen eine sogenannte Locked Box-Klausel in Verkaufsverträge mit aufzunehmen. An einem gewählten Stichtag (meist der letzte Bilanzstichtag) vereinbaren die beiden Parteien durch die Locked Box-Klausel einen fixierten, nicht anpassbaren Kaufpreis für das Zielunternehmen. Der Preis basiert dabei auf den Kennzahlen des letzten Finanzabschlusses des Unternehmens. Zusätzlich wird vertraglich sichergestellt, dass der Verkäufer ab diesem Zeitpunkt keine wesentlichen Vermögenswerte aus der Gesellschaft an sich selbst oder ihm nahestehende Personen ausschütten darf. Die „Schachtel“ wird also sprichwörtlich verschlossen. Von nun an übernimmt der Käufer das wirtschaftliche Risiko der Zielgesellschaft und jeder zwischenzeitlich erwirtschaftete Gewinn fällt seinen Gunsten, jeder Verlust zu seinen Ungunsten aus.

Aus Sicht des Käufers

Der Käufer trägt zunächst das Risiko, dass der Verkäufer die Geschäfte nicht ordentlich führt und dass sich der Markt zwischenzeitlich in eine negative Richtung entwickeln könnte. Durch das vertragliche „verschließen der Schachtel“ und das Verbieten von unerlaubten Abflüssen aus dem Unternehmen, will der Käufer verhindern, dass der Verkäufer nach der Vertragsunterzeichnung die Vermögenswerte des Unternehmens, und somit den Kaufgegenstand, wesentlich verändert. Zusätzlich wird der Käufer sich die Frage stellen müssen, ob die Geschäftsführung des Unternehmens für ihn genügend vertrauenswürdig ist, und er das wirtschaftliche Risiko bereits beim Unterzeichnen des Vertrags übernehmen möchte.

Locked Box aus Sicht des Verkäufers

Durch die Anwendung einer Locked Box-Klausel steht der Kaufpreis zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung fest und kann bei der tatsächlichen Übergabe des Unternehmens nicht mehr nachträglich angepasst werden. Die gewonnene Preissicherheit führt dazu, dass der Verkäufer vorweg keine Rückbehalte bzw. Rückstellungen vornehmen muss. Ab dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses steht dem Verkäufer somit die Kaufpreissumme in vollem Umfang zur Verfügung. Die Klausel beseitigt damit auch das Risiko einer zeit- und kostenintensiven Auseinandersetzung in Bezug auf die Anpassung des Kaufpreises nach dem Zeitpunkt der Unternehmensübergabe. Der Verkäufer gewinnt somit auch ein großes Maß an Vergleichbarkeit von unterschiedlichen Kaufpreisangeboten im Zuge eines Bieterprozesses.

Fazit

Die Locked Box ist eine verkäuferfreundliche Alternative zu nachträglichen Kaufpreisanpassungsklauseln im Zuge eines Unternehmensverkaufs. Insbesondere der fixierte Preis ab der Unterzeichnung des Vertrags und das direkt übergehende unternehmerische Risiko an den Käufer lassen die Locked Box-Klausel auf den ersten Blick sehr einseitig vorteilhaft aussehen. Durch eine ausgeprägte Prüfung der Finanzlage (Financial Due Diligence) und weitere vertragliche Bestimmungen kann der Käufer jedoch vorweg sein eigenes Risiko weitestgehend minimieren und sich durch ein Einverständnis für eine Locked Box-Klausel einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber weiteren Bietern in einem Auktionsverfahren verschaffen.
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