In Deutschland war die Unternehmenssteuerreform 2008 die letzte größere Maßnahme, die Unternehmen eine spürbare Entlastung bei den Steuern gebracht hat. Damals wurde u.a. der Körperschaftsteuersatz auf 15 Prozent abgesenkt. Seither hat sich in Sachen Steuersenkung wenig getan. Die “Schwarze Null” bei den öffentlichen Haushalte ließ trotz sprudelnder Einnahmen offensichtlich wenig Raum für niedrigere Steuern.

Der Mittelstand – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – ist von diesem “Stillstand” bei den Steuern besonders betroffen. Denn anders als international operierende Konzerne können mittelständische Unternehmen nur sehr begrenzt “Steuerpolitik” betreiben – dass heißt Gewinne dorthin verlagern, wo Steuern besonders niedrig sind.

“Weiter so” bei den Steuern für Unternehmen?

Auch beim Blick auf den Koalitionsvertrag der mühsam gebildeten “GroKo” werden Sie nach Maßnahmen, die niedrigere Steuern für Unternehmen vorsehen, vergeblich suchen. Stattdessen finden sich viele wohlklingende Passagen, die die Notwendigkeit der Digitalisierung – Stichwort Industrie 4.0 -, von Innovationen, Qualifizierung und Exportorientierung betonen. Es drängt sich die Bewertung auf, dass die Koalitionspartner angesichts der guten Konjunktur wenig Handlungsbedarf in Richtung Steuern sehen. “Weiter so” scheint angesagt zu sein.

Auch beim Thema Erbschaftsteuer ist kaum mit Änderungen zu rechnen. Die Erbschaftsteuerreform wurde im vorletzten Jahr den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes entsprechend umgesetzt – im wahrsten Sinne des Wortes eine “schwierige Geburt”. Sie hat für Nachfolgen im Familienbetrieb eher restriktivere Regeln bei der Übertragung von Betriebsvermögen gebracht. Steuervergünstigungen wie der Freibetrag ab 55 in Höhe von 45.000 Euro sind da eher ein “Tropfen auf den heißen Stein”. Angesichts der Komplexität des Themas dürfte man sich hüten, die Reform erneut anzugreifen. Latent drohen sogar höhere Steuern, da aus dem linken politischen Spektrum immer wieder Forderungen nach stärkerer Besteuerung “reicher” Vermögen erhoben werden.

Steuern für den Mittelstand sind im internationalen Vergleich hoch

Dabei wäre durchaus Handlungsbedarf bei den Steuern gegeben. Denn im Vergleich zu anderen wichtigen Ländern entwickelt sich Deutschland langsam zum “Hochsteuerland” für mittelständische Unternehmen – weniger weil die Steuern bei uns steigen, sondern weil sie woanders sinken. Der Hinweis auf den niedrigen deutschen Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent kann dabei nur auf den ersten Blick verfangen. Er vernachlässigt, dass gerade im als Personengesellschaft geführten Familienbetrieb der persönliche (Einkommen-)Steuersatz der Gesellschafter zählt und auch noch weitere Steuern (Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag) für die jeweiligen Rechtsformen zu berücksichtigen sind.

Nach einer Aufstellung der Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Deloitte liegt die Gesamtsteuerbelastung bei Gewerbebetrieben in Deutschland im Schnitt zwischen 30 und 33 Prozent. Ähnlich hoch ist sie in Frankreich, dort sind aber Steuersenkungen beabsichtigt. In den Niederlanden beträgt die Gesamtbelastung mit Steuern lediglich 25 Prozent, in Großbritannien sogar nur 19 Prozent. In beiden Ländern wird angestrebt, die Steuern weiter zu senken. Die hohe deutsche Steuerlast könnte da auf Dauer zum Wettbewerbsnachteil werden.

Steueroptimierung und Beratung gefragt

Angesichts dieser Lage ist es für mittelständische Unternehmer um so wichtiger, die bestehenden Spielräume bei Steuern – u.a. im Bereich der Bewertung oder Nutzung von Abschreibungsmöglichkeiten – konsequent zu nutzen und zu optimieren. Hier hilft nicht nur der Steuerberater, oft geht es auch um weitergehende Beratungen im Bereich von Finanzierungen, rechtlichen Gestaltungen und mehr – zum Beispiel bei anstehenden Nachfolgeregelungen. Nutzen Sie dazu unsere Beratungskompetenz – wir helfen Ihnen gerne weiter.

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