Der Firmenverkauf – Familienunternehmen und Erbschaftssteuer

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Der Firmenverkauf – Familienunternehmen und Erbschaftssteuer

Gerade im Mittelstand, in dem nach wie vor sehr viele Unternehmen in Familienhand sind, ist Vererbung ein wichtiges Thema, das gleichrangig neben der Nachfolgeregelung steht. Zwischen Nachfolgelösung und Erbregelung existiert ein enger Zusammenhang. Steuern beim Unternehmensverkauf und die Nachfolgeproblematik – eine Herausforderung stellt beides dar. Es geht nicht nur um die Fortführung der Firmen-Tradition als Familienunternehmen, häufig auch um den Unternehmensbestand. Die drohende Erbschaftssteuer (ErbSt) kann existenziell belastend sein – auch wenn für Betriebsvermögen Steuererleichterungen existieren.

Es liegt grundsätzlich nicht im Interesse des Staates, Unternehmen so sehr mit Erbschaftssteuer zu belasten, dass der steuerbedingte Liquiditätsentzug die Unternehmensfortführung in Frage stellt. Deshalb gab es bereits in der Vergangenheit mehr oder weniger großzügige Ausnahme- und Freibetragsregelungen für Betriebsvermögen – zum Beispiel im Rahmen der Erbschaftssteuerreform 2008. Dabei hätte man es belassen können, wenn nicht das Bundesverfassungsgericht die bestehenden Ausnahmen in einem wegweisenden Urteil 2014 für verfassungswidrig erklärt hätte – Begründung: Verstoß gegen das Gleichheitsprinzip des Grundgesetzes.

 

Erbschaftssteuer nach der Erbschaftssteuerreform 2016 – ein Überblick

Dem Gesetzgeber war es daher aufgegeben, für eine verfassungskonforme Neuregelung zu sorgen. Diese erfolgte – nach einigen Geburtswehen – mit der Erbschaftssteuerreform 2016. Diese setzt die schon vorher bestehende Begünstigung von Betriebsvermögen fort,
 allerdings unter engeren Voraussetzungen und mit einigen Einschränkungen. Im Folgenden finden Sie einen Überblick über wesentliche Regelungen.

Auch nach der Reform gelten Ausnahmen und Erleichterungen bei der Besteuerung für das sogenannte begünstigungsfähige Betriebsvermögen. Was darunter zu zählen ist, wird im Gesetz im Einzelnen definiert. Neu eingeführt wurde die grundsätzliche Steuerpflicht für das Verwaltungsvermögen,
 das aus dem steuerlichen Betriebsvermögen abzusondern ist. Es wird nicht steuerlich begünstigt;

Grundsätzlich sieht das Gesetz erbschaftssteuerliche Begünstigungen vor, wenn das Unternehmen 
auf längere Sicht fortgeführt wird. Dabei haben Firmenerben die Wahl zwischen zwei sogenannten Behaltens-Optionen, für die jeweils bestimmte Regeln gelten.

Option 1:

Führt der Erbe den Betrieb mindestens 5 Jahre fort und erreicht die Lohnsumme über 5
 Jahre mindestens 400 Prozent des Ausgangswerts, wird das begünstigungsfähige Betriebsvermögen zu 85 Prozent von der Erbschaftssteuer befreit. Für den Rest gilt ein Freibetrag von 150.000 Euro. Bei Kleinunternehmen (unter 6 Beschäftigten) entfällt die Lohnsummenregelung. Geringere Lohnsummen gelten für Betriebe von 6 bis 10 Beschäftigten (250 Prozent) und 11 bis 15 Beschäftigten (300 Prozent).


Option 2:

Führt der Erbe den Betrieb mindestens 7 Jahre fort, entfällt die Erbschaftssteuer
 vollständig, wenn die Lohnsumme über 7 Jahre mindestens 700 Prozent des Ausgangswerts ausmacht. Auch hier gelten wieder geringere Lohnsummen bei kleineren Betrieben: 500 Prozent bei Betrieben mit 6 bis 10 Beschäftigten, 565 Prozent bei 11 bis 15 Beschäftigten. Betriebe unter 6 Beschäftigten
 müssen keine Lohnsumme einhalten.

Darüber hinaus wird bei Familienunternehmen unter bestimmten gesellschaftsvertraglichen Voraussetzungen ein Vorab-Abschlag von maximal 30 Prozent gewährt.

Besondere Regeln gelten für Großerwerbe beziehungsweise vererbte Betriebsvermögen von mehr als 26 Mio. Euro.

 

Guter Rat gefragt

Dies kann naturgemäß nur ein ganz grober Überblick sein. Unternehmensinhaber sollten sich so 
früh wie möglich über ihr Erbe Gedanken machen – auch darüber, wie die Erbschaft im Hinblick auf
 die Erbschaftssteuer möglichst günstig gestaltet werden kann.

Benötigen Sie eine fundierte Beratung zu den Themenkomplexen Steuern, Erbschaft und Unternehmensübergabe? Hier finden Sie einen Überblick über die Unternehmensbesteuerung.

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