Familienunternehmen - Ein Auslaufmodell?

Nach Feststellung des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung liegen in Deutschland 92,8 Prozent der Unternehmen in Familienhand. Vor allem im Mittelstand ist das Familienunternehmen die vorherrschende Erscheinung. Mit steigender Größe nimmt der Anteil ab. 

Familienunternehmen – Wunsch und Wirklichkeit

Der Wunsch, dass ein Familienunternehmen auch über Generationen hinweg im Familienbesitz bleibt und von Familienangehörigen geführt wird, ist in vielen Unternehmerfamilien nach wie vor vorhanden. Allerdings klaffen Wunsch und Wirklichkeit oft auseinander. Nach Angaben des Family Business Networks – eines weltweiten Verbandes von Familienunternehmen – gelingt in nur jedem fünften Unternehmen die familieninterne Nachfolge bis zur zweiten Generation und bei nur sieben Prozent bis zur dritten Generation. Das bedeutet im Umkehrschluss: meist bedeutet ein Generationenwechsel auch das Aus für die “familiäre Prägung” eines Unternehmens.

Eine durchwachsene Bilanz

So verständlich das Anliegen ist, ein erfolgreich aufgebautes Unternehmen den eigenen Nachkommen zu übergeben, ist die Frage zu stellen, was es für den Unternehmenswert tatsächlich bedeutet, wenn ein Unternehmen über Generationen hinweg von einer Familie bestimmt wird. Nach Feststellung von Rudolf Wimmer, Professor am Wittener Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke, gibt es Unterschiede zwischen Familienunternehmen und Publikumsgesellschaften. 

Danach hat Familienbesitz Auswirkungen auf Strukturen, Kultur und Identität des betreffenden Unternehmens, aber auch der Familie. Es herrscht ein höherer Grad an gegenseitiger Verbundenheit, die sich positiv auswirkt – zum Beispiel bei der Ausrichtung auf Kunden oder dem Umgang mit Mitarbeitern. Die Belegschaft ist in Familienunternehmen oft loyaler und engagierter als in Publikumsgesellschaften. Die Organisation ist vielfach schlanker aufgestellt – und daher flexibler und innovationsstärker -, weil statt Kontrolle auf gegenseitiges Vertrauen gesetzt wird. 

Diesen Vorteilen stehen aber auch Nachteile gegenüber. Schlanke Strukturen können sich in Wachstumsphasen als Risikofaktor erweisen. Eine starke Bindung an bestehende Kunden und einseitige Fokussierung auf Erfolgsprodukte führen oft dazu, Marktentwicklungen und veränderte Kundenbedürfnisse zu übersehen. Eine gewisse Neigung zur Intransparenz nach außen fördert die Tendenz, krisenhafte Entwicklungen zunächst “auszusitzen” und erst zu handeln, wenn es schon zu spät ist. In Krisen stehen Familienunternehmen oft schlechter da als Publikumsunternehmen. Im Ergebnis ist die Erfolgsbilanz durchaus durchwachsen. 

Sie interessieren sich für die Nachfolge Ihres Unternehmens? Erfahren Sie mehr zu diesem Thema in unserem Nachfolgemagazin

Die Familie im gesellschaftlichen Wertewandel

Hinzu kommt, dass das Familienbild einem starken gesellschaftlichen Wandel unterliegt. Tatsächlich hat die traditionelle Familie – als Gemeinschaft von Ehepartnern und Kindern – an Bedeutung verloren. Zahlreiche andere Lebensmodelle von der Patchwork-Familie über Lebensabschnitts-Partnerschaften bis zum bewussten Single-Dasein sind dazu getreten. Dass bei solchen alternativen Modellen die “klassische” Firmennachfolge vielfach nicht in Betracht kommt, leuchtet ein. Auch ein Faktor wie demographischer Wandel spielt eine Rolle, warum die Nachfolge in der Familie oft nicht möglich ist. In vielen Fällen fehlt es schlicht an Nachkommen, die die Nachfolge antreten könnten oder diese folgen anderen Lebensentwürfen. 

Externe Firmennachfolge wird wichtiger 

In der Studie “Unternehmensnachfolge in Berlin 2030” des Instituts für Entrepreneurship, Mittelstand und Familienunternehmen der HWR Berlin wird angesichts des gerade in der Hauptstadt zu beobachtenden Wertewandels festgestellt, dass die Bedeutung externer Unternehmensnachfolgen erheblich zunehmen wird. Diese Erkenntnis gilt sicher nicht nur für Berlin, sondern abgestuft auch für andere Regionen Deutschlands. Insofern mag das Familienunternehmen zwar kein Auslaufmodell sein, es verliert aber seine dominierende Stellung. Der Unternehmensverkauf als Nachfolge-Lösung wird häufiger.

Carl steht Ihnen bei der Nachfolgeregelung Ihres Unternehmens, egal ob intern oder extern, gerne zur Seite. Zögern Sie nicht und kontaktieren Sie unsere erfahrener Transaktions- und Nachfolgeberater noch heute.

Empfohlene Artikel