Aufstieg und Fall des Anton Schlecker

 In Nachfolgeproblem

Auch Jahre nach der spektakulären, medial intensiv begleiteten Insolvenz und dem Aus für die Marke ist “Schlecker” den meisten Bundesbürgern noch ein Begriff. Deutschlands und sogar Europas größte Drogeriekette stand lange für eine unternehmerische Erfolgsgeschichte, dann für antiquierte Geschäftsmodelle, 
gravierende Managementfehler und schließlich den Vorwurf der Untreue und Insolvenzverschleppung.

Aufstieg und Fall des Drogerie-Konzerns hängen eng mit der Person Anton Schlecker zusammen. Dieser steuerte sein Unternehmensgeflecht lange nahezu als alleiniger Entscheider, später mit Unterstützung der Familie und zuletzt auch mit externem Sachverstand. Schlecker blieb aber bis zum Schluss ein weitgehend inhabergeführtes Familienunternehmen. Eine Nachfolge war trotz der Mitarbeit der beiden Schlecker-Kinder in der Unternehmensleitung und einzelner Gesellschafterbeteiligungen nicht klar geregelt.

 

Mit 68 noch die Zügel in der Hand

Anton Schlecker war 31 Jahre alt – also im besten Alter für eine Unternehmensgründung – als er 1975 seinen ersten Drogeriemarkt in Kirchheim unter Teck eröffnete. Das Unternehmertum war ihm bereits in die Wiege gelegt. Den Eltern leiteten eine Metzgerei-Kette. Schlecker ist selbst gelernter Metzger.

Schlecker schuf binnen Jahren ein deutschlandweit sowie international agierendes Unternehmen.  Bereits 1977 zählten 100 Drogeriemärkte zur Kette, die sich in den kommenden Jahrzehnten noch viel stärker entwickeln sollte. Auf dem Höhepunkt des Schlecker-Erfolges im Jahre 2008 waren es 14.000 Filialen mit rund 50.000 Mitarbeitern. Als 2012 Insolvenz angemeldet werden musste, war Anton Schlecker 68 Jahre alt – in einem Alter also, in dem eine Nachfolge zumindest hätte angedacht werden sollen.

Davon konnte zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags keine Rede sein. Der Firmengründer agierte nach wie vor als Einzelkaufmann und regierte über ein unübersichtliches Firmengeflecht, das auch den Zweck hatte, die Publizität auf ein Mindestmaß zu beschränken. Hineinreden und hineinsehen lassen in sein Geschäft wollte sich Anton Schlecker nie. Auch an ein Loslassen dachte er wohl nicht – sonst wäre sein Festhalten an der Unternehmensleitung bis zum “bitteren Ende” nicht zu erklären. Nur stück- und schrittweise wurden in den letzten Monaten und Jahren vor der Insolvenz Familienangehörige mit Leitungsverantwortung betraut, zunächst Ehefrau Christa und dann die Kinder Lars und Meike.

Wann der Niedergang des Schlecker-Imperiums genau begann, ist schwer zu sagen. Fest steht, dass Anton Schlecker zu lange auf reines Umsatzwachstum durch immer neue Filialen setzte und dabei sowohl sich verändernde Kundenbedürfnisse als auch neue Konzepte des Wettbewerbs ignorierte. Wohl bereits seit 2008 arbeitete Schlecker mit Verlusten und 2010 wurden erstmals Filialschließungen angekündigt. 2011 führte man “in letzter Minute” eine neue Führungsstruktur ein, durch die dem Niedergang dennoch nicht entgegengewirkt werden konnte. Was 
folgte, waren die Insolvenz und die Unternehmenszerschlagung durch Filialschließungen und den Unternehmensverkauf einzelner Töchter.

 

Schlecker als Negativbeispiel

Einen unschöneren Verlauf kann eine “Nachfolge” kaum nehmen. Das Beispiel Schlecker ist ein Negativbeispiel, dass vor Augen führt, was passieren kann, wenn ein Seniorunternehmer die Zeichen der Zeit nicht erkennt und eine rechtzeitige Nachfolgeplanung und -vorbereitung versäumt. Schlecker wäre ein Stabwechsel zu empfehlen gewesen, als das Unternehmen noch umgesteuert werden konnte.

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