Ein Beitrag von Felix Engelhardt, CFA – Head of M&A / Bereichsleiter Nachfolge- und Transaktionsberatung

Die Corona-Pandemie beeinträchtigt nicht nur die Wirtschaft in China, sondern wird global für viele Wirtschaftsbereiche verheerende Folgen haben. Dadurch kommen auch bei Unternehmern von kleinen und mittelgroßen Unternehmen immer mehr Fragen auf: Wann erholen sich die Märkte? Macht es Sinn, sich jetzt mit einem Unternehmensverkauf zu beschäftigen?

Mit unserem Team beraten wir aktuell in über 20 Verkaufsmandaten, die in verschiedenen Branchen tätig sind und grundsätzlich spürt fast jedes dieser Unternehmen die Auswirkungen des Coronavirus. Aus diesem Grund möchten wir zu den für uns wichtigsten Fragen Stellung beziehen.

Warum hat das Coronavirus Auswirkungen auf die Märkte?

Die Märkte sind aktuell in Panik: Weltweit stürzen Aktienkurse und das Wirtschaftsklima trübt sich massiv ein. Das aktuelle Erliegen der wirtschaftlichen Aktivität ist stark durch die Angst und die schnelle Verbreitung des Virus zu erklären. Die Verbraucher meiden nicht notwendigen Konsum jeglicher Art. Gleichzeitig gibt es Komplikationen durch weltweite Werksschließungen und Schwierigkeiten bei der Organisation der global vernetzten Logistik durch Reisesperren und Vorsichtsmaßnahmen. Diese Schwierigkeiten führen natürlich dazu, dass insbesondere Unternehmen im Transport- und Logistikwesen, im Hotel- und Gastgewerbe sowie in der Freizeit- und Unterhaltungsbranche stark mit den Einbußen zu kämpfen haben.

Wird es in Folge dessen eine Rezession geben?

Die wirtschaftliche Situation direkt vor dem Ausbruch der Krise war weitestgehend positiv. Mit Ausnahme des Automobilsektors hatten sämtliche Sektoren in Deutschland positive Aussichten für die kommenden Jahre. Auch geldpolitisch war durch die weiterhin angespannte, wirtschaftliche Situation in anderen EU Ländern das Kapital günstig, ohne, dass die Inflation hierzulande gravierende Einflüsse zeigte. Davon profitierte die Wirtschaft insbesondere in Deutschland in den letzten Jahren. Weiterhin handelt es sich hierbei nicht, wie beispielsweise während der großen Rezession von 1929, um einen grundlegenden Vertrauensverlust in die Wirtschaft, sondern nur um Sekundäreffekte durch die Vorsichtsmaßnahmen rund um das Virus. Welche langfristigen Effekte diese haben, lässt sich nicht im Detail voraussagen. Wir gehen aktuell eher davon aus, dass die deutsche Wirtschaft aufgrund der robusten Grundstruktur nicht in eine schwere Rezession rutschen wird.

Warum reagieren die Aktienmärkte dann so stark?

Mit der großen Befürchtung, dass die globale Wirtschaft einbrechen könnte, ziehen sich derzeit sehr viele Anleger aus den Kapitalmärkten zurück. Diese Rezessionsangst wird jedoch nicht nur von der medialen Berichterstattung geschürt, sondern auch von institutionellen Investoren, die der Meinung sind, dass das Coronavirus uns in die lang erwartete, nächste Rezession stürzt. Bewertungstechnisch stellt sich die Frage, ob die Kursstürze an der Börse durch eilige Abverkäufe oder durch erwartete strukturell niedrigere Wirtschaftsaktivität verursacht sind. Letzteres ist unwahrscheinlich. Betrachtet man die Auswirkungen verschiedener Krisen und Epidemien auf die weltweite Kapitalmarktentwicklung, so konnte man immer eine Beruhigung und einen Aufschwung nach der Krise beobachten. Langfristig gesehen werden sich die Aktienmärkte also wieder beruhigen.

Sollte man alle Aktien abstoßen?

Die Kapitalmärkte werden sich langfristig wieder erholen und wir glauben, dass die fundamentale, wirtschaftliche Situation in Deutschland sehr stabil ist. Maßnahmen der EZB sind geplant oder kommen bereits auf den Weg, wodurch sich die Wirtschaft und damit auch die Aktienmärkte voraussichtlich erholen werden – so, wie sie es in den vergangenen Jahrzehnten immer getan haben. Der Vermögensaufbau durch Aktien ist besonders in Zeiten hoher Kursschwankungen nur mit einem langfristigen Anlagehorizont sichergestellt. Und der erfordert manchmal starke Nerven.

Wie wird es wirtschaftlich weitergehen?

Die FED und die EZB haben bereits erste Maßnahmen ergriffen und versuchen den Finanzsektor zu stützen und die Wirtschaft zu stärken. Auch die Bundesregierung wird weitere Hilfestellung leisten und Richtlinien zur Entschärfung der Situation herausgeben. Wir glauben, dass die Maßnahmen dieses Mal (anders als in der Finanzkrise 2008) schneller und direkter beschlossen werden, weshalb wir eher nicht von weiteren Einbrüchen oder gar einem kompletten, globalen Börsencrash ausgehen. Insbesondere im Bankenbereich haben die Regulierungsbehörden in den letzten Jahren viele stabilisierende Maßnahmen ergriffen, welche die Institutionen besser auf Krisen vorbereiten.

Macht ein Unternehmensverkauf aktuell Sinn?

Unternehmer, deren Betriebe in zyklischen Sektoren zu verorten sind und sich mit Ihrem Unternehmen bereits in einem Verkaufsprozess befinden, sollten mit ihren Transaktionsberatern absprechen, ob es sich lohnt mit der Ansprache der Kaufinteressenten zu warten, bis sich die Unsicherheit in den Märkten legt. 

Unternehmer, die bereits mit Interessenten in Kontakt stehen, sollten sich deren Feedback einholen und schauen, ob man dennoch zusammenkommt. Das Coronavirus ist ein Sondereffekt und kann theoretisch ignoriert werden, um die aktuelle Situation des Unternehmens zu bewerten. Das setzt allerdings voraus, dass es im Anschluss an die Corona-Pandemie keine gesamtwirtschaftlich negativen Effekte geben wird.

Kann ich jetzt mit dem Verkaufsprozess starten?

Grundsätzlich spricht nichts dagegen. Wir können gerne in gemeinsamen Gesprächen eruieren, wann es Sinn macht Kaufinteressenten anzusprechen und zu involvieren. Da allein die konkrete Vorbereitungsphase bei einem Unternehmensverkauf häufig 3 bis 4 Monate in Anspruch nimmt, ergibt es ungeachtet der aktuellen Situation Sinn, sich mit dem Thema der Nachfolge zu beschäftigen und grundsätzlich ist es wichtig, diese frühzeitig anzugehen.

Unternehmer, welche über einen Zukauf nachdenken, sollten sich genau überlegen in wie fern das Zielunternehmen durch die Krise positiv oder negativ betroffen ist. Jedoch bietet jede Krise auch Chancen: So können sich spannende Zukaufmöglichkeiten durch veränderte Rahmenbedingungen ergeben.

Wie lange wird das Coronavirus die Märkte noch beeinflussen?

Wir glauben, dass uns das Coronavirus leider noch eine Weile begleiten wird. Wenn die Regierungen harte Maßnahmen ergreifen, gelingt es womöglich in wenigen Wochen die Lage zu beruhigen. Wie sich die weitere Verbreitung in Folge dessen über die nächsten Monate gestaltet, ist eine Einschätzung, die wir Experten überlassen. In Anbetracht der prognostizierten Effekte gehen wir jedoch aktuell davon aus, dass wir spätestens in 2021 nicht mehr unmittelbar von den Folgen des Coronavirus beeinflusst werden.

Unser Fazit zur wirtschaftlichen Situation und Unternehmensverkäufen 

Verkaufsprozesse von Unternehmen könnten nun zwar etwas länger dauern als üblich und Vorbereitung durch ihren Transaktionsberater könnten etwas aufwändiger sein. Am Ende sitzen aber viele potenzielle Käufer auch durch kürzlich aufgesetzte Fonds und die vereinnahmten Gewinne der letzten zehn Jahre auf viel Geld und durch die Unsicherheit verringern sich die Möglichkeiten für Investitionen. Aus unserer Sicht kann man die aktuelle Situation und die Zeit also sogar nutzen, um sich bei weniger Wettbewerb erfolgreich am Markt zu platzieren.

Ich freue mich auf Ihre Kommentare und Fragen und stehe dafür gerne auch persönlich mit unserem Team zur Verfügung. Wir arbeiten, nicht zuletzt im Sinne unserer Klienten, nun aus dem Home Office und sind weiterhin auch mobil mit dem Auto unterwegs. Egal, wie sich die Situation weiter entwickeln wird: Wir stehen unseren Klienten gerade jetzt besonders zur Seite.

Ich freue mich in diesen Zeiten umso mehr ein Berater zu sein, denn jetzt werden wir wirklich gebraucht.

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