DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge

Steht eine Unternehmensnachfolge an, suchen viele Firmeninhaber Rat bei ihrer örtlichen IHK. Bereits seit 2007 wertet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) – die Dachvereinigung der IHK’s – die Beratungsgespräche systematisch aus und veröffentlicht dazu einen jährlichen Bericht. Jetzt liegt der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2017 vor. Er steht unter dem Titel “Unternehmensnachfolge – Die Herausforderung wächst”. Hier die wesentlichen Erkenntnisse des DIHK-Reports im Überblick.

Kein Nachfolger in Sicht – ein immer größeres Problem

Der DIHK-Report bezieht sich auf insgesamt 6.654 Gespräche, die im Jahr 2016 mit Firmeninhabern auf der Suche nach einer Nachfolgelösung geführt worden waren. In der Auswertung zeigt sich ein eindeutiger Trend: die Zahl der Alt-Inhaber, die keinen passenden Nachfolger finden, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Mit 2.947 ungelösten Nachfolgen markiert das Jahr 2016 den vorläufigen Höhepunkt dieser Entwicklung. Die Zahl der Fälle hat sich seit 2010 nahezu verdoppelt. Damals fanden nur 1.503 Alt-Inhaber keinen Nachfolger.

Fast spiegelbildlich dazu sinkt die Zahl der Übernahmeinteressierten, die kein geeignetes Unternehmen finden. Hier war der “Spitzenwert” 2009 mit 3.367 Fällen erreicht, 2016 waren es noch 2.077 – fast 40 Prozent weniger. Als eine der Hauptursachen für diese Entwicklung vermutet der DIHK-Report die Demographie. Während Alt-Inhaber aus früher geburtenstarken Jahrgängen zunehmend das Rentenalter erreichten, dünne der Kreis der Übernahmeinteressierten wegen der rückläufigen Geburten immer mehr aus. Hinzu komme, dass sich viele potentielle Nachfolger anderweitig orientierten und der Drang zur Selbstständigkeit häufig nicht so stark ausgeprägt sei.

Unternehmensnachfolge und Firmenübernahme – wo hakt es?

Neben dem fehlenden Nachfolger gibt es auf Seiten der Firmeninhaber zwei weitere Haupthemmnisse bei Nachfolgelösungen: überhöhte Kaufpreis-Forderungen (44 Prozent) und zu späte Vorbereitung der Nachfolge (43 Prozent). Damit eng in Zusammenhang steht ein weiteres Hindernis: emotional nicht loslassen zu können (37 Prozent). Viele Inhaber tun sich schwer, sich von ihrem Lebenswerk zu trennen oder gar früher in Rente zu gehen. Deshalb wird das Vorhaben oft “auf die lange Bank geschoben” – auch mit überzogenen Forderungen. Immerhin jeder Dritte wartet mit der Übergabe im Hinblick auf seine betriebliche Altersvorsorge. Vergleichsweise gering ist die Furcht vor einer hohen Erbschaftsteuer (21 Prozent).

Auf der anderen Seite wird die Firmenübernahme – neben der erfolglosen Suche nach dem passenden Unternehmen – besonders häufig durch Finanzierungsschwierigkeiten (43 Prozent) und unterschätzte Anforderungen (40 Prozent) erschwert. Weniger relevant sind dagegen unzureichende Qualifikation (23 Prozent) und wiederum die Erbschaftsteuer (17 Prozent).

Welche Branchen sind betroffen?

Das Unternehmensnachfolge-Problem besteht branchenübergreifend. Dennoch gibt es einige branchenspezifische Besonderheiten. So gestaltet sich die Suche nach einem Nachfolger in der Industrie am schwersten. Dafür sieht der Report verschiedene Ursachen: hohe Investitionsbedarfe und Kaufpreise, besondere Know How-Anforderungen an den Nachfolger und ein oft größeres existenzielles Risiko. Kompliziert sei die Lage auch in der Verkehrs- und Logistik-Branche. Hier erschwerten sinkende Frachtraten und der harte Wettbewerb Nachfolgelösungen. Nicht einfach seien Nachfolgen im Hotel- und Gaststättengewerbe. Vor allem auf dem Lande gestalte sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig. Darüber hinaus stünden häufig Investitionsstaus, die Immobilien-Lastigkeit des Investments und die enge Bindung des Betriebs an den Alt-Inhaber der Firmenübernahme im Wege. Ein generelles Problem bei Nachfolgen ist laut DIHK-Report der sich immer stärker bemerkbar machende Fachkräftemangel.

Immer noch gute Bedingungen für Finanzierung

Obwohl viele Übernahmeinteressierte über Finanzierungsschwierigkeiten klagen, beurteilt der DIHK die Finanzierungssituation bei der Firmenübernahme nach wie vor insgesamt als günstig. Dafür sorgen alleine schon die weiterhin niedrigen Zinsen. Bereits fehlende rentierliche Anlagealternativen könnten als Anreiz für Investoren gesehen werden, sich an Unternehmen zu beteiligen. Auch die gute Konjunktur erleichtere Finanzierungen. So falle es zum Beispiel Alt-Inhabern dadurch leichter, Nachfolgern mit Darlehen bei der Übernahme-Finanzierung unter die Arme zu greifen.

Zu guten finanziellen Rahmenbedingungen tragen auch staatliche Fördermaßnahmen bei. Der Mikromezzanine-Fonds der Bundesregierung und die Ausweitung des KfW-Angebots an Beteiligungskapital werden in diesem Zusammenhang positiv erwähnt. Eine immer größere Rolle nehmen dem DIHK-Report zufolge Bürgschaften bei der Finanzierung der Unternehmensnachfolge ein. Auch hier habe sich das Umfeld insgesamt vorteilhaft entwickelt.

Unternehmensnachfolge – nicht warten, bis es zu spät ist

Die Ergebnisse der DIHK-Auswertung weisen einmal mehr darauf hin, dass man kaum zu früh mit der Regelung der Nachfolge beginnen kann. Angesichts der Tatsache, dass es schwieriger wird, Nachfolgen innerhalb der eigenen Familie zu verwirklichen, sollten auch “externe Lösungen” frühzeitig in Betracht gezogen werden – selbstverständlich in Abstimmung mit davon berührten Familienangehörigen. Mit einer guten Planung und Vorbereitung sollte es möglich sein, das Lebenswerk angemessen fortzuführen.

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