Was ist eigentlich ein Family Office?

 In Käuferperspektive

Im Verlauf der letzten 15 Jahre hat sich die Anzahl der Family Offices in Deutschland drastisch erhöht und sich weltweit sogar auf über 10.000  verdoppelt. Dennoch ist vielen der Term immer noch kein Begriff, obwohl sie immer stärkere Akteure der Wirtschaftswelt sind. Bei Family Offices handelt es sich um bankunabhängige Vermögensverwaltung von Familien. Zu unterscheiden: Multi Family Offices und Single Family Offices. Der Unterschied ist hier relativ klar, Single Family Offices betreuen das Vermögen von nur einer Familie ab circa 300 Millionen €, Multi Offices dagegen mehrere ab circa 30 Millionen pro Familie. Eingeführt wurde das Konzept in den 1880er in Amerika von Julius Spencer Morgan, da jedes Mitglied seiner Familie einen eigenen Banker und wiederum jeder eigene Berater hatte. Mit zunehmenden Mengen an von einzelnen Familien erwirtschaftetem Reichtum wurden Family Offices auch global immer populärer. Nun sind sie auch in Deutschland seit den 1980er immer weiterverbreitet.

Vergleich gegenüber anderen Investoren oder Verwaltern

Da Family Offices auf eine oder wenige Familien spezialisiert sind, bringt dies oft einige Vorteile mit sich. Sie bieten eine individuelle Anlageberatung und kümmern sich generationsübergreifend um Geldanlagen wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Firmenbeteiligungen. Ebenfalls verwalten sie auch eher komplexere Anlagen, Grundstücke, Auto- oder Kunstsammlungen und Stiftungen der jeweiligen Familie. Zudem bereiten sie auch intern Nachfolgen vor, regeln den Erbschaftsprozess innerhalb einer Familie und können auch bei finanziellen Auseinandersetzungen zwischen Familienmitgliedern vermitteln. Dabei verfügen Sie über sowohl steuerliche als auch rechtliche Kenntnisse um alle aufkommenden Probleme zu lösen.


Besonders attraktiv ist diese Art der Vermögensverwaltung für viele prominente Familien, da sie in höheren Maßen die Diskretion gewährt als Anlagen bei einer Bank. Diese erlaubt es den Familien, sich selber weitgehend aus den öffentlichen finanziellen Angelegenheiten zurückzuziehen und sich dem Privatleben zu widmen. Darüber hinaus sind diese Offices oft auch darauf spezialisiert, sich mit den besonderen Bedürfnissen von wohlhabenden Familien zu befassen.

Voraussichtliche Entwicklung der Offices

Interessant zu bemerken ist die voraussichtliche Entwicklungsrichtung der Family Offices. Es spiegelt sich hierbei der starke Kundenbezug deutlich wider. Parallel zu den wachsenden Anforderungen der wohlhabenden Kunden der Offices, müssen sie ihr angebotenes Portfolio an Dienstleistungen mehr und mehr erweitern. Allen voran ist der Bedarf, gleichbleibende Renditen zu erzielen. Um dies zu erreichen, tendieren auch Family Offices immer häufiger zu Risikoanlagen um den Wünschen ihrer Arbeitgeber nachzukommen. Dies ist auch ein in vielerlei Hinsichten nachvollziehbares Verlangen, da sich die Verwaltungskosten bei den vorhandenen Mengen an Geld schnell in den siebenstelligen Bereich steigern können.

Ähnlich steigen die Anforderungen der Familien im Bereich der internationalen Ausrichtung. Die Intentionen der Geldanleger, international zu investieren, veranlasst immer mehr Offices den Ihre angebotenen Dienste auch auf internationale Geldanlagen zu erweitern und auch auf internationaler Ebene über juristische Kenntnisse zu verfügen. Dadurch wachsen analog Personal- und Aufwandskosten und somit der Umsatz der Verwalter, was auch die positive Entwicklung der Anzahl an Family Offices im deutschsprachigen Raum erklärt.

Gleichermaßen erhöht die steigende Lebensdauer der Bevölkerung die Komplexität der Verwaltung. Grund ist, das mittlerweile ohne Problem drei bis vier Generationen der investierenden Familien gleichzeitig in Betracht gezogen werden müssen. Dies steigert die Dimension der Verträge zum Aufteilen der vorhandenen Vermögen enorm, da alle Parteien mitberücksichtigt werden müssen und auch alle Eventualitäten der Erbschaft einkalkuliert werden müssen.

Family Offices als Investoren

Als Investoren gehören die Family Offices zu den Finanzinvestoren. Das heißt, dass sie fast ausschließlich Kapital zur Verfügung stellen um Unternehmen teilweise oder ganz zu akquirieren. Hierbei kann es sich für die Family Offices um Projekte, die nur zur Renditenerhöhung dienen handeln, also eher kurzfristige Anlagen die später zu Profit wiederverkauft werden oder auch um Wohltätigkeitsprojekte. Viele einflussreiche Familie besitzen ihre eigenen Stiftungen für philanthropische Investitionen oder um deren Ansehen in der Öffentlichkeit zu verbessern. In beiden Fällen bietet also ein Family Office die Möglichkeit, durch deren Kapital die Dimensionen des eigenen Unternehmens zu vergrößern und sich professionelle Berater an die Seite zu holen. Ebenso bringen die Offices auch nötige Expertise in diversen Bereichen in das akquirierte Unternehmen mit und ein persönliches Interesse, die Renditen dessen so hoch wie möglich zu halten. Gleichzeitig bringt das Investment von einem Family Office einen gewissen Grad an Sicherheit mit sich. Der Mangel an strategischen Motiven garantiert hier den Standort und die Dimensionen des Unternehmens, was ein sehr beruhigender Hintergedanke beim Verkauf seien kann. Mehr zu den Vorzügen und Nachteilen von Finanzinvestoren finden Sie hier.

Family Offices – da und wird da bleiben

Klares Fazit hier ist, dass Family Offices noch ein großes Potenzial haben. Der sich immer weiter entwickelnde Markt an Interessenten, sprich Familien mit großen Vermögen, bietet immer mehr Möglichkeiten in die Branche einzusteigen. Mit rasch wachsender Markgröße steigen auch Expertise und angebotene Dienstleistungen, die sowohl für wohlhabende Familien als auch Unternehmensverkäufer interessant sind. Daher sollte man sie auch auf jeden Fall beim Verkauf eines Unternehmens als Option ernsthaft in Erwägung ziehen.

Quelle: FAMILY OFFICE: TRENDS 2019 Ein Ausblick auf die Herausforderungen, Berenberg; GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON

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